Ex-Einkaufschef bekennt sich schuldig
Vereinte Nationen stecken mitten im Korruptionssumpf

Die Vereinten Nationen (UN) sind mit einem schweren Korrupitonsskandal konfrontiert. Vier Wochen vor der Feier zum 60. Gründungsjahr der UN bekannte sich vor einem Gericht in New York der einstige UN-Einkaufschef, Alexander Jakowlew, der Bestechlichkeit, des Betrugs und der Geldwäsche in Millionenhöhe schuldig.

HB NEW YORK. Vor einem Gericht in New York bekannte sich am Montag (Ortszeit) Zuvor warfen Ermittler dem einstigen Leiter des UN-Hilfsproramms für den Irak, Benon Sevan, Korruption vor. Sie machten auch deutlich, dass gegen UN-Generalsekretär Kofi Annan wegen des Verdachts der Begünstigung einer Schweizer Firma, die seinen Sohn Kojo beschäftigte, weiter ermittelt wird.

Der 52-jährige Jakowlew wurde von der US-Staatsanwaltschaft in drei größeren Fällen angeklagt, für die ihm jeweils bis zu 20 Jahre Haft drohen. Die Anklage gegen den Russen ist ein direktes Ergebnis der Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen das Irak- Hilfsprogramm „Öl für Lebensmittel“ durch eine im April vergangenen Jahres von Annan berufene Untersuchungskommission.

Der ehemalige Chef der US-Notenbank, Paul Volcker, der die Ermittlungen leitet, erklärte am Montag, Jakowlew habe Firmen zur Überweisung von Geld auf geheime Privatkonten als Voraussetzung für die Erteilung von UN-Aufträgen aufgefordert. Man sei Jakowlew mit Hilfe eines Unternehmens auf die Spur gekommen, dass mit den Ermittlern zusammenarbeitete. Der Angeklagte habe mindestens 1,3 Millionen Dollar an Schmiergeldern erhalten, erklärte US-Staatsanwalt David Kelly (1,05 Millionen Euro).

Jakowlew, der in dem New Yorker Vorort Yonkers wohnt, wurde kurz nach seiner Festnahme gegen eine Kaution von 400 000 Dollar auf freien Fuß gesetzt. Sein Pass wurde eingezogen. Der Russe ist der bislang erste UN-Vertreter, der im Zusammenhang mit dem Skandal um das Irak-Programm „Öl für Lebensmittel“ vor Gericht steht. Allerdings beziehen sich die meisten Vorwürfe gegen ihn auf Schmiergeldzahlungen außerhalb des Irak-Programms.

Der UN-Beamte war am Montag nur wenige Minuten nach der Aufhebung seiner diplomatischen Immunität durch UN-Generalsekretär Kofi Annan von US-Justizbeamten festgenommen worden. Nach Angaben seines Anwalts will Jakowlew, der bereits im Juni von seinem Posten zurückgetreten war, „vollständig über alles aussagen, was er weiß“. UN-Diplomaten befürchten weitere Peinlichkeiten für die Weltorganisation sowie einzelne Mitgliedsländer und zahlreiche Firmen.

US-Abgeordnete warfen den UN schwerwiegende Mängel in der Verwaltung der Organisation vor. „Das Fehlen einfacher Kontrollmechanismen hat individuelle Korruption im gesamten System begünstigt“, erklärte der Kongressabgeordnete Christopher Shays von der Republikanischen Partei.

Jakowlew gehört zu den Kadern der Sowjetunion, die einst von Moskau in Scharen zum Dienst bei den Vereinten Nationen abkommandiert wurden. Seinen ersten UN-Job bekam er 1985. Zehn Jahre später wurde er Chef der UN-Abteilung für die Auftragsvergabe.

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