Ex-EU-Kommissar: Günter Verheugen im Visier der Lobbywächter

Ex-EU-Kommissar
Günter Verheugen im Visier der Lobbywächter

Günter Verheugen droht Ärger: Lobbywächter wittern bei der Beratungsfirma des Ex-EU-Kommissars Interessenkonflikte und fordern Kommissionschef Barroso auf, einzuschreiten. Das EU-Parlament mahnt seit langem, den Verhaltenskodex zu verschärfen. Denn immer wieder sichern sich ehemalige Kommissare lukrative Jobs in der Wirtschaft.
  • 5

BRÜSSEL. Bisweilen kann man Günter Verheugen am Flughafen treffen. Er pendelt dann zwischen Brüssel und Berlin. Und sagt, dass er kein Absahner sei nach seiner Tätigkeit als EU-Industriekommissar. Andere, ja andere Ex-Politiker, das wisse man, kassierten dicke Honorare für Vorträge und Auftritte. "Sie glauben ja nicht, welche Beträge da gezahlt werden!", sagt Verheugen dann. Seine Sache sei das nicht.

Dass er sich für seine Tätigkeiten beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, dem Türkischen Rohstoffbörsenverband TOBB, der Royal Bank of Scotland und der amerikanische PR-Agentur Fleischmann-Hillard mit Hungerlöhnen zufrieden geben muss, ist nicht zu erwarten.

Und so sehen unabhängige Lobbywächter in Verheugen keineswegs das vermeintliche Unschuldslamm - auch wenn sein Engagement in der Wirtschaft mit Erlaubnis seines ehemaligen Arbeitgebers geschieht.

Im Gegenteil: Die Organisation "Friends of the Earth" hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso in einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, aufgefordert, Verheugens Beratungsfirma "The European Expierience Company" nicht zu genehmigen. Interessenkonflikte seien hier vorgezeichnet. Ein Ex-Kommissar als Lobbyist?

Den Verhaltensregeln der Kommission zufolge muss ein dreiköpfiger Ethikrat im Jahr nach dem Ausscheiden der Kommissare deren neue Beschäftigung genehmigen.

Verheugen war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Geschäftspartnerin Petra Erler weist die Kritik aber als Unterstellung zurück: "Die Vorstellung ist abenteuerlich", sagte sie dem Handelsblatt. Auch der Vorwurf, man habe das Unternehmen nicht in Brüssel angemeldet, entspreche nicht den Tatsachen.

"Ich habe das am 30. August auf den Weg gebracht", sagte Erler. Gegründet wurde die Firma bereits im April. Für ihren Geschäftspartner sei es ohnehin nicht genehmigungspflichtig gewesen, da er nicht bei der GmbH beschäftigt sei: "Für Herrn Verheugen ist das ganze ein Investment. Er ist Shareholder."

Seite 1:

Günter Verheugen im Visier der Lobbywächter

Seite 2:

Kommentare zu " Ex-EU-Kommissar: Günter Verheugen im Visier der Lobbywächter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Denen gehört was ins Futter getan"

  • der einzige grund warum es die EU an Vertrauen mangeld ist genau dieser.es handelt sich einfach um absahner,genau wie beim anschluss der DDR an die bRD,damals hies das buschgeld,schamlose bereicherung,und es gab nur wenige dafür aber sehr reichgewordene.die masse der verlierer ist weitaus grösser.Da selbe systm wurde ganz einfach auf die EU übertragen,was dabei herraus kam ist eindeutig.die einzelnen regierungen und die EU-Kommissare können vor lachen nicht einschlafen.

  • Da baroso demokratisch nicht legitimiert ist, bzw. von den bürgern Europas gewählt wurde, wird es nur um Schadensbegrenzung gehen, um die weiter sinkende bereitschaft zur EU zu stoppen. Die EU-Kommission hat keinerlei berechtigung, da sie nicht einmal von den Abgeordneten, die einzig gewählten, kontrolliert werden kann/darf. Lobbyarbeit wird nicht zu verhindern sein, es geht doch um die Frage der Komission selbst. Wer kontrolliert diese Gruppe eigentlich. Alles nur Ablenkungsmanöver.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%