Ex-Finanzminister vs. Vizekanzler
Varoufakis fühlt sich von „Bruder“ Gabriel verraten

Jetzt ist Sigmar Gabriel dran: Der deutsche Vizekanzler ist das neueste Opfer von Yanis Varoufakis, Ex-Finanzminister Griechenlands. Sie seien „wie Brüder“ gewesen, sagt Varoufakis. Bis Gabriel ihn bitter enttäuschte.
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BerlinDer frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat mit scharfen Worten seine Enttäuschung über Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) zum Ausdruck gebracht. Zunächst sei das Verhältnis „wie unter Brüdern“ gewesen. Es habe „nicht den Hauch von Meinungsverschiedenheit“ gegeben, sagte Varoufakis im Gespräch mit dem Magazin „Stern“. „Es war fantastisch, als ob ich mit einem Syriza-Mitglied redete. Einem Genossen.“ „Und dann“, so Varoufakis weiter, „kurz danach krieg ich mit, wie er über uns herzieht. Unfassbar.“

Varoufakis spielt auf die zuletzt härtere Gangart Gabriels gegenüber Athen an. In einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung platzierte Gabriel beispielsweise den Satz, wonach man „nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen“ werde, was auch in der SPD erheblichen Unmut auslöste. Noch deutlicher wurde Gabriel gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Das Blatt hatte ihn vor wenigen Wochen mit der Aussage zitiert, dass die griechische Regierung mit ihrem Referendum „letzte Brücken eingerissen“ habe, „über die Europa und Griechenland sich auf einen Kompromiss zubewegen konnten“. Vor diesem Hintergrund seien „Verhandlungen über milliardenschwere Programme kaum vorstellbar“.

Gabriels Drohung ist jedoch nicht Realität geworden. Denn mittlerweile verhandelt die griechische Regierung bereits wieder mit den internationalen Geldgebern über ein drittes Hilfspaket. Varoufakis hat darauf keinen direkten Einfluss mehr. Dennoch sorgt er für Unruhe. Etwa dadurch, dass er jüngst Geheimpläne zum Aufbau eines parallelen Zahlungssystems bestätigt hat. Damit bringt er Ministerpräsident Alexis Tsipras in Bedrängnis.

Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), forderte von Tsipras eine Stellungnahme zu den Grexit-Überlegungen, in die dieser eingeweiht gewesen sein soll. „Die Erwartungen an Ministerpräsidenten Tsipras sind klar: Er muss jetzt Stellung dazu nehmen, wenn er das wenige Vertrauen, was er durch die Umsetzung der geforderten Reformen gewonnen hatte, nicht gleich wieder verlieren will“, sagte Mayer dem Handelsblatt.

Angesichts der unsicheren Verhandlungsposition der griechischen Regierung zur Wiederaufnahme von Verhandlungen über erneute Finanzhilfen seien die Grexit-Pläne der griechischen Regierung, die nun zutage gekommen seien, „ungeheuerlich“, sagte Mayer weiter. „Es zeigt einmal mehr, dass die unsäglichen Beleidigungen gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vollkommen grundlos und nichts als populistische Makulatur der Syriza-geführten Regierung waren.“ Es sei „unglaublich viel Vertrauen zerstört worden“, so Mayer. Das müsse jetzt „mühsam“ wieder aufgebaut werden.

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„Ein Kriegskabinett hat sich mit dem Grexit-Szenario beschäftigt“

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