Ex-Generalinspekteur Schneiderhahn „Zu Guttenberg sagt die Unwahrheit“

Der entlassene Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun offen der Lüge bezichtigt. Unterdessen werden immer neue Details zum Luftschlag in Kundus bekannt.
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Der deutsche Oberst Georg Klein gab den Befehl zum Angriff in Kundus. Quelle: ap

Der deutsche Oberst Georg Klein gab den Befehl zum Angriff in Kundus.

(Foto: ap)

HB BERLIN. „Was diesen 25. (November) nachmittags angeht, sagt er die Unwahrheit“, sagte Schneiderhan der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit Hinsicht auf die Äußerungen zu Guttenbergs (CSU) über die Abläufe am Tag seiner Entlassung.

Die Darstellung von Guttenberg, wonach ihm wichtige Akten über den Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in der Nähe von Kundus vorenthalten und Berichte unterschlagen worden seien, wies Schneiderhan zurück. „Das finde ich inzwischen ehrenrührig“, sagte der entlassene General. Unterschlagen habe für ihn „den Geschmack des Vorsatzes“, diesen habe es aber nicht gegeben. „Dass er vorschnell formuliert, ist bekannt“, sagte Schneiderhan über den Minister. „Aber das hier ist schon eine Steigerungsstufe.“ Der Begriff Vorsatz sei „nicht nur unschön, das ist unwahr“.

Guttenberg hatte die Entlassung von Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert unter anderem damit begründet, dass ihm wichtige Unterlagen zu dem Luftangriff vorenthalten worden seien. Guttenberg hatte den umstrittenen Bombenangriff zunächst als „militärisch angemessen“ bezeichnet, musste sich dann aber später korrigieren.

Schneiderhan bekräftigte in der „Zeit“, er übernehme die Verantwortung dafür, dass dem Minister nicht alle Berichte vorgelegen hätten. „Dazu stehe ich.“ Guttenberg hätte ihn in den einstweiligen Ruhestand versetzen können, „damit hätte man es einfacher gehabt, mich zu entsorgen“. Schneiderhan sollte ohnehin im Juli 2010 aus dem Amt scheiden.

Neue Details über den Luftangriff

Der stellvertretende Vorsitzende des Kundus- Untersuchungsausschusses hat unterdessen bestätigt, dass die Taliban vor dem verheerenden Luftangriff von Anfang September einen Anschlag gegen das deutsche Feldlager geplant haben sollen. „In den Wochen zuvor gab es ja bereits Ankündigungen, dass ein solcher Anschlag stattfinden könnte“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl Lamers am Mittwoch im Fernsehsender n-tv. „Es war klar, dass eine große Gefahr für das deutsche Militärlager dadurch bestand.“

Zuvor berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK) hätten in den Wochen vor dem Luftangriff in Nordafghanistan einen Drei-Stufen-Plan der Taliban aufgedeckt. Die Recherchen sollen in der Bundesregierung bekannt gewesen sein.

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7 Kommentare zu "Ex-Generalinspekteur Schneiderhahn: „Zu Guttenberg sagt die Unwahrheit“"

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  • „Zu Guttenberg sagt die Unwahrheit“
    Handelsblatt vom16.12.2009, 08:33 Uhr : -)
    Der entlassene Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun offen der Lüge bezichtigt.
    Ich könnte sogar Mitleid empfinden für den Herrn zu Guttenberg, aber angesichts seines ekelhaften Verhaltens gegenüber Schneiderhahn und Wicherts befriedet mich der Gedanke, dass es doch Gerechtigkeit geben könnte

  • @Frankfurter
    Für mich riskiert niemand seinen Hals ! Für die CDU und die Amis ja, nicht für mich, und nicht für viele andere in Deutschland, die diesen Einsatz nicht wollen. Also Sie können sagen, daß iHRE "Jungs" den Hals für Sie riskieren. Es ist vollkommen richtig, diesen Dingen auf den Grund zu gehen, ob nun Monate vergangen sind oder nicht. bei Verbrechen sagt der Staat auch nicht: Laß mal, sind schon ein paar Monate vergangen. Der Angriff war nach den Nato-Regeln rechtswidrig gewesen. Und was erzählen Sie von wegen "rollender bombe" ? Der Tankwagen war auf einer sandbank fest, es ging weder vor noch zurück. "im warmen Zimmer", wie Sie sagen, saß bestimmt auch Klein, sehr gut gesichert, das darf man annhemen, als er den Angriffsbefehl erteilte. Sie brauchen es nicht so hinzudrehen, als sei dieser tapfere Held mit der Waffe in der Hand vor dem Feind gestanden, um die geliebten deutschen Soldaten zu schützen. Das ist er nämlich nicht. Es gab vielmehr gar keinen Feindkontakt, und genau deshalb war der angriff Kleins rechtswidrig. Zu Guttenberg versucht weiterhin zu vertuschen und sich aus seinen Lügen herauszuwinden, wofür er heute im bundestag das Vehikel der Treue zur truppe verwendete.Nach dem motto: ihr übt Verrat an unseren geheiligten, unerhört tapferen Soldaten. Wir haben sie nicht hingeschickt ! kann man da nur sagen ! Wie kann man auch so dämlich sein, zu glauben, den Krieg in afghanistan gewinnen zu können ? Das haben schon andere geglaubt. Obama wird den Mißerfolg genauso bekommen wie die Sowjets.

  • Naja, das Handelsblatt hat schon mal journalistisch wertvollere Artikel veröffentlicht. Der Artikel ist wirr, unverständlich und - wie von anderen Lesern richtig bemerkt - Haarspalterei.

    Abgesehen finde ich es nicht gut, Monate nach dem Luftangriff entscheiden zu wollen, ob das nun militärisch notwendig war oder nicht. Aus einem warmen büro in berlin funktioniert das bestimmt sehr gut.

    Unsere Jungs riskieren da unten immerhin auch und vor allem für uns ihren Hals. Denen jetzt so in den Rücken zu fallen finde ich nicht gut. in Zukunft werden solche Luftangriffe dann gar nicht mehr angefordert weil die Offiziere um ihrem Job bangen??? Dafür sterben dann ganze Dörfer und viele dt. Soldaten weil der Tanklaster iM Dorf explodiert. Toll.

    Da unten ist Krieg und da kommen solche Dinge leider vor.

    Abgesehen davon ist irgendetwas an der befehlsordnung und Kommunikation im Ministerium verkehrt. Wie kann es sein, dass man ein Jahr benötigt um die Kommunikationswege zu prüfen?

  • ich gebe meinem Vorkommentator völlig recht, der Artikel hilft nicht zur Wahrheitsfindung. ich verstehe auch nicht, was dieses ganze Theater um Wahrheit oder lüge soll, oder Untersuchungsausschuss, wie gesagt alles nur ein Schauspiel für die Öffentlichkeit.
    Seit dem 11. September, befinden sich die Mitglieder der NATO im kollektiven Verteidigungsfall. Die USA hätten den Alliierten "klare und zwingende" beweise für die Verwicklung von bin Ladens Organisation El Kaida vorgelegt, sagte NATO-Generalsekretär George Robertson in brüssel nach einer Unterredung mit dem US-Gesandten Francis Taylor. Artikel fünf ist jetzt voll in Kraft. Der NATO-bündnisfall hat nicht nur für die Soldaten der bundeswehr weitreichende Folgen, sondern für uns bürger auch. Der Staat bundesrepublik Deutschland, kann in erheblichen Maße persönliche Freiheitsrechte beschneiden, und sogar teilweise aufheben. ich bitte über diese Zeilen nach zu denken. Es ist unwichtig wer Verteidigungsminister in berlin ist, oder Generalinspekteur, entscheiden was mit deutschen Soldaten passiert, wird im NATO-Hauptquartier

  • Statt weiter zu spekulieren, sollte der Forderung des bundeswehrverbandes betreffend die inhaltliche Neubestimmung des Mandats erfüllt werden. Das Ansehen dt. Soldaten und der Einsatz der Nation darf durch politische Unbestimmtheit nicht diskreditiert bleiben. Die berufung auf informationen des bND od. MAD löst dieses Problem nicht, sondern wirft die Frage auf, wieso es trotz des außergewöhnlichen Einblicks in die innersten Führungszirkel der Taliban kaum planmäßig-strategisches Handeln zur Lösung der Afghanistanfrage gibt, sondern immer nur taktische Reaktionen, die bisweilen sogar überstürzt wirken.

  • Der Taxifahrer aus bagdad und zuverläassige informant westlicher Geheimdienste war offenbar auch in Kundus als Taktgeber für bombardierung und der Kriegsführung unterwegs.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    obiger Artikel war für mich sehr unaufschlussreich.

    Was genau ist eigentlich nun passiert, wenn Herr Schneiderhahn folgendes von sich gibt:
    „Was diesen 25. (November) nachmittags angeht, sagt er die Unwahrheit“, sagte Schneiderhan der Wochenzeitung „Die Zeit“."
    AHA. Und worin bestand nun die Unwahrheit ?? ich habe darüber keine Aufklärung erhalten.

    ich spekuliere mal mit ihnen:

    Ging es etwa um "Vorsatz" wie es weiter im Artikel heisst ? Vorsatz um was zu machen - Akten nicht vorzulegen ? Das können wir annehmen, weil Herr Schneiderhahn weiter von sich gibt, das er dazu steht.
    So. Also was war gleich wieder die Unwahrheit ???
    Das Herr Schneiderhahn tatsächlich NiCHT vorsätzlich die Akten NiCHT vorgelegt hat ????

    Das kann doch nicht wahr sein. ich war der Meinung, hier -in diesem Artikel- ginge es darum, einen Minister der Lüge zu bezichtigen. Lüge in einem für die Aufklärung der bombadierung wichtigen Punkt. Stattdessen scheint mir - ja, ist mein Verständnis überhaupt richtig ?? - wollen Sie einen Herrn Schneiderhahn die Gelgenheit geben, Haare zu spalten.
    Welche Relevanz hat Vorsatz oder nicht Vorsatz für die Aufklärung ? Die Akten lagen nicht vor.
    Wo hat der Herr Minister gelogen ?????

    ich frage mich doch ernsthaft, welchen Sinn ihr Artikel haben kann..
    Aufgeklärt fühle ich mich nicht. Eher verschaukelt.

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