Ex-Irak-Geiseln
Kanzleramt bittet um Diskretion

Kanzleramtsminister Thomas de Maizière hat an die freigelassenen Irak-Geiseln appelliert, ihre Geschichte nicht an Medien zu verkaufen. Sie sollten es halten wie ihre Angehörigen, die während der 99-tägigen Geiselhaft weitgehend auf Tauchstation gegangen waren.

HB BERLIN. „Die Diskretion des Staates sollte von Entführungsopfern ebenfalls mit einer gewissen Diskretion beantwortet werden - schon allein, um dem Staat für zukünftige Fälle Handlungsspielräume zu sichern“, sagte der CDU-Politiker der Zeitschrift „Super Illu“.

De Maizière lobte die Angehörigen von Bräunlich und Nitzschke ausdrücklich dafür, „wie sie während der gesamten Dauer der Entführung mit uns zusammengearbeitet haben, welche Geduld sie hatten, wie sie allen Versuchungen widerstanden haben, in die Medien zu gehen“.

Ob es sich bei den Entführern von Bräunlich und Nitzschke um gewöhnliche Kriminelle gehandelt habe, ist nach de Maizières Angaben nicht geklärt, da es nur indirekte Kontakte zu ihnen gegeben habe. „Der Hintergrund der Täter in diesem Fall ist nicht eindeutig zuzuordnen, zumal wir sie nicht konkret kennen“, sagte der Kanzleramtsminister. Zudem sei es oft „kaum möglich, eine klare Trennlinie zwischen politischen und kriminellen Motiven zu ziehen, weil sich die Personenkreise überschneiden“, betonte de Maizière.

Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke waren am Dienstag nach 99 Tagen Gefangenschaft im Irak freigelassen worden und befinden sich seit Freitag wieder bei ihren Familien in Leipzig. Bisher haben sie lediglich der Leipziger Volkszeitung ein Interview gewährt, in dem sie versicherten, sie würden ihre Erfahrungen „unseren engsten Mitmenschen erzählen, aber nicht in einer Fernseh-Talkshow“. Selbst am für Montag geplanten Dankgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche wollen sie nicht dabei sein. „Ich kann mir nicht vorstellen, jetzt gegen eine Wand von Fotografen, Kameraleuten anzurennen“, sagte Bräunlich der Zeitung. Die Mütter der beiden würden aber eine Erklärung verlesen.

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