Ex-Minister wirft Militär Einflussnahme vor
Irans Reformer beklagen Wahlbetrug

Mit seinem überraschend starken Abschneiden hat sich der konservative Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad für die Stichwahl im Kampf um das iranische Präsidentenamt qualifiziert. Er unterlag nur knapp dem Favoriten und Ex-Präsidenten Akbar Hashemei Rafsandschani, der mit 21 Prozent als Sieger aus der ersten Wahlrunde hervorging.

HB BERLIN/TEHERAN. Ahmadinedschad erreichte 19,5 Prozent und überflügelte auch Mahdi Karrubi, der während der Stimmauszählung lange Zeit als sicherer Zweiter galt. Mit rund 63 Prozent lag die Wahlbeteiligung unerwartet hoch.

Dem ehemaligen Parlamentspräsidenten Karrubi waren vor der Wahl ebenso wenige Chancen eingeräumt worden wie Ahmadinedschad. Gegenüber Mustafa Moein, dem eigentlichen Spitzenkandidaten der Reformer, galt Karrubi als Außenseiter. In einer ersten Reaktion distanzierte sich Moein von dem Ergebnis, ohne ausdrücklich den Vorwurf eines Wahlbetrugs zu erheben.

„Trotz zahlreicher Warnungen erleben wir, dass eine organisierte Bewegung die Gesundheit dieser Wahl angegriffen hat“, sagte Moein. „Mit dieser Aktion ist unsere neu geborene Demokratie in Gefahr.“ Dagegen erklärte der bisherige Amtsinhaber und Reformer Mohammed Chatami, die Abstimmung sei „vollständig gesund“. Das Ergebnis werde die Veränderungen, die er angestoßen habe, nicht aufhalten, denn „die Reformen gehören dem Volk“. Chatami konnte nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten.

Deutlicher in seinen Vermutungen über die Vorgänge rund um die Wahl wurde Ibrahim Jazdi. Der erste Außenminister Irans nach der Revolution 1979 sagte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt: „Teile des Militärs und der paramilitärischen Organisationen des Landes haben deutlich Einfluss auf die Wahlen genommen. Sie haben Mahmud Ahmadinedschad unterstützt und für diese Zwecke ihre Strukturen benutzt“.

Jazdi, heute Generalsekretär der Partei „Freiheitsbewegung“, sagte, Ahmadinedschad sei der Vorzugskandidat des Wächterrates. „Wie kann es sein, dass einem Mann, der im Land so wenig bekannt ist und der nur eine sehr bescheidene Wahlkampagne geführt hat, nun auf einmal so viele Menschen ihre Stimme geben?“ Jazdi selbst wollte ebenfalls für das Präsidentenamt kandidieren. Seine Bewerbung wurde jedoch vom Wächterrat abgelehnt.

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