Ex-NSA-Technikchef
Industriespionage mit NSA-Daten möglich

Er war der Whistleblower vor Edward Snowden: William Binney kündigte 2001 seinen Posten als Technikchef des US-Geheimdienstes NSA. Nun warnt er vor den Möglichkeiten der Industriespionage durch US-Unternehmen.
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BerlinDer ehemalige Technikchef der NSA, William Binney, hält die Gefahr der Industriespionage durch den US-Geheimdienst für durchaus realistisch. Die von der NSA gesammelten Daten würden teilweise auch US-Unternehmen zur Verfügung gestellt, sagte Binney am Dienstag in Berlin auf einem Datenschutzkongress. Bei ausländischen Konkurrenten amerikanischer Unternehmen könne die Weitergabe von Daten unter Umständen auch in einem nationalen Interesse erfolgen.

Auch durch einen starken Datenschutz könnten sich andere Staaten derzeit vor dem Zugriff durch die NSA nicht schützen. Die Behörde greife auf Daten zu, ohne Spuren zu interlassen. „Der NSA gehört das Netz“, sagte Binney, der über 30 Jahre für den Auslandsgeheimdienst der USA tätig war.

Im Prinzip mache die NSA einen „guten Job“, sagte Binney. Der Ex-Geheimdienstler sieht aber in der massenhaften und ungezielten Sammlung von Daten eine große Gefahr. Sie unterwanderten die Demokratien auf der ganzen Welt. Und die NSA werde selbst nicht kontrolliert. „Das ist eine ideale Umgebung für Korruption.“ Seine Initiativen im US-Kongress seien bislang nicht erfolgreich gewesen.

Seit mehr als zehn Jahren kritisiert Binney die ausufernde Spionagetätigkeit und Datensammelwut seines einstigen Arbeitgebers. Im Oktober 2001 kündigte er seinen Job, knapp ein Jahr später bat er zusammen mit zwei weiteren Whistleblowern das Verteidigungsministerium um eine Untersuchung der NSA.

In der vergangenen Woche gaben die USA bekannt, die NSA solle reformiert werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es kommen Zweifel an der Regierung auf!

    Steht die Bundesregierung auf Seiten der Bürger und schützen deren Grundrechte oder machen sie mit den USA gemeinsame Sache?

    Für letzteres spricht ihr Erscheinungsbild.

  • Und Merkel liebt die US Administration inkl.NSA.Uns gegenüber tut Sie so als wäre Sie empört.Diese Scheinheilige.Und diese Dame tritt für Deutschland und die EU auf.Es wird Zeit das sich grundlegend was ändert.

  • Es ist Zeit, einmal Zwischenbilanz im NSA-Skandal zu ziehen. Was haben wir bisher erreicht? Die Politiker irrlichtern unsicher und unentschlossen umher. Immerhin will die Bundesregierung weiterhin mit der US-Regierung über den Skandal sprechen (Cyber Dialog). Die IT-Fachleute diskutieren vorwiegend auf der technokratischen Ebene. Der Generalbundesanwalt will mangels Beweisen kein Ermittlungsverfahren einleiten. Gleichzeitig gehen die amerikanischen Spionagedienste in den bekannten deutschen Standorten unbehelligt weiter ihren Spionagetätigkeiten nach. Ich frage mich: Wer vertritt denn in unserem Staat noch die hier relevanten Grund-, Freiheits- und Menschenrechte? Die Politik scheint ja auszuscheiden. Der NSA-Ausschuß verheddert sich in Verfahrensfragen. Was hört man eigentlich von unseren Kirchen in Anbetracht des massenhaften, auch staatlich gelenkten Verstoßes gegen die 10 Gebote? Selbst die deutsche Industrie, die ja aufgrund der Industriespionage u.a. um ihre Innovationen und damit um ihre Überlebensfähigkeit bangen muss, scheint auf Tauchstation zu sein. Der DGB thematisiert den Skandal vorwiegend als Angriff auf die Pressefreiheit. Einzige Lichtblicke: der EuGh sowie das Verfassungsgericht. Müssen die freiheitsliebenden Bürger das eben bis auf Weiteres selbst in die Hand nehmen. Doch was tun?
    Mein Tip: Hören Sie mal, was Sigismund Ruestig auf YouTube für konkrete Vorschläge hat.

    http://youtu.be/_a_hz2Uw34Y

    Viel Spaß beim Anhören.
    Singer Songwriter Sigismund Ruestig

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