Ex-Präsident als Retter in der Not
Clinton vs. Terminator

Markige Worte allein helfen nicht - diese Erfahrung muss im Moment auch Arnold Schwarzenegger machen. Frauenverbände machen mobil gegen einen „Grapscher als Gouverneur“, in den Medien wächst die Kritik an seiner Weigerung, sich in Sachfragen festzulegen. Zu allem Überfluss springt nun auch noch Ex-Präsident Bill Clinton Schwarzeneggers Widersacher und Amtsinhaber Gray Davis zur Seite.

HB WASHINGTON. Drei Wochen vor dem ungewöhnlichen Abwahlversuch gegen Davis beginnt sich die Stimmung in Kalifornien zu wenden. Zwar erklärten in einer Umfrage kürzlich immer noch 55 % der Befragten, sie würden eine Abwahl von Gouverneur Davis unterstützen, doch war dies bereits ein Hoffnungsschimmer für den unpopulären demokratischen Politiker - bei der Umfrage zuvor waren es noch 58 % gewesen.

Viele Kalifornier zeigen sich nach Informationen der Zeitung „Los Angeles Times“ zudem immer weniger überzeugt von der „Recall“- Kampagne gegen Davis, die von einem republikanischen Abgeordneten und Millionär initiiert worden war. „Ich finde, es geht nicht, dass jemand (zwischendrin) aus dem Amt gewählt werden sollte, weil ihn die Wähler nicht mehr mögen“, meint selbst die Republikanerin Barbara Pavey aus Hollywood in der Zeitung.

Davis selbst zeichnet sich inzwischen immer häufiger als Opfer einer Kampagne der nationalen Republikanischen Partei, die das Ziel habe, Präsident George W. Bush den Riesenstaat Kalifornien auf einem silbernen Tablett zu präsentieren und damit dessen Wiederwahl zu garantieren. Und so holte Davis Ex-Präsident Bill Clinton zur Hilfe.

Bei einer Veranstaltung in einer großen Kirche in Los Angeles, wo Clinton am Sonntag mit brausendem Applaus gefeiert wurde, rief er die Kalifornier auf, die Abwahl zu blocken und Davis im Amt zu belassen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Politiker bei jeder unpopulären Entscheidung künftig mit einer Abwahl rechnen müssten.

Als Schwarzenegger vor drei Wochen in einer Talk-Show nach langem Hin- und Her seinen Ring in den Hut warf, nahmen viele Beobachter an, dass der Republikaner mit seinem Star-Appeal große Chancen haben würde. Sie argumentierten, Schwarzenegger sei der prominenteste der vielen Kandidaten, verfüge über ein großes Vermögen und sei durch seine Ehe mit Maria Shriver mit dem Kennedy-Clan verbandelt.

Doch die anfängliche Begeisterung der Kalifornier nahm ab, nachdem Schwarzenegger sich kontinuierlich weigerte, sich in Fernsehdebatten mit seinen Konkurrenten zu messen. In Umfragen rutschte er auf Platz zwei hinter den demokratischen Vize-Gouverneur Cruz Bustamante.

Geschadet haben ihm vor allem auch die Berichte über das angeblich notorische Grapschen des Stars und über sexuelle Abenteuer während seiner Bodybuilder-Jahre, die Schwarzenegger zunächst noch abwiegeln konnte. Doch vor allem ein Interview in dem inzwischen eingestellten Männermagazin „Oui“, in dem „Arnie“ prahlte, dass er einst in einer Trainingshalle in Venice Beach mit anderen Bodybuildern abwechselnd Sex mit einer jungen Frau hatte, begann ihm zu schaden.

Erst bezeichnete der Terminator-Star die Geschichte als Teil seiner „wilden Jugend“, dann behauptete er, die Geschichte habe er damals frei erfunden. Viele Frauen konnte er damit nicht überzeugen. Bei der jüngsten Umfrage zeigte sich, dass viele Männer noch einen positiven Eindruck von dem Action-Star haben, doch die meisten Frauen ihn weniger überzeugend finden. Bei einem Parteitag der Republikaner am Samstag musste Schwarzenegger dann erstmals einen größeren Protest von Frauenorganisationen erleben. Die Gruppe „CodePink“ protestierte gegen einen „Grapscher als Gouverneur“.

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