Ex-Präsident
Bill Clinton vermasselt Obama die Tour

Er schmeichelt dem Gegner, lobt Finanzhaie und will Bushs Steuergeschenke für Reiche verlängern. Clinton ist ein wichtiger Verbündeter Obamas - doch sein Ego und seine Unabhängigkeit machen es dem Amtsinhaber schwer.
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WashingtonAm Montagabend war er noch der brave Bill Clinton. Der Bill Clinton, der macht, was von ihm erwartet wird. „Barack Obama hat das beste aus einer wirtschaftlich miserablen Situation gemacht“, sagte der Ex-Präsident bei einer Spendengala in New York. Deshalb habe er es mehr als verdient, wiedergewählt zu werden. Ein Sieg von Gegner Mitt Romney wäre dagegen „verheerend für die USA und die Welt“. Obama und Clinton winkten danach gemeinsam in die Kameras, und es sah so aus, als würde zwischen die beiden Superstars der Demokratischen Partei kein Blatt Papier passen.

Die Behaglichkeit hielt keine 24 Stunden. Am Dienstagnachmitag wollte Clinton nicht mehr der brave Bill sein. In einem Interview mit dem TV-Sender CNBC sprach sich der Ex-Präsident dafür aus, die Steuergeschenke für Reiche aus Zeiten der Regierung von George W. Bush vorerst zu verlängern. „Das wäre wahrscheinlich das beste, was man jetzt tun kann“, sagte Clinton.

Die Aussage klingt wie eine Lappalie, aber sie alarmiert die Demokraten, weil sie den Kern der gesamten Wiederwahlstrategie Obamas berührt: Der Präsident verkauft sich als Kämpfer für die Gerechtigkeit. In Zeiten, in denen weite Teile der Mittelschicht in die Armut abzurutschen drohen, während Reiche immer reicher werden, will Obama, dass „jeder seinen gerechten Anteil übernimmt“. Dazu gehört, dass Obama und die Demokraten die zu Jahresende auslaufenden Steuerkürzungen für Einkommen oberhalb von 250.000 Dollar nicht mehr verlängern wollen. De fecto also sollen Reiche dann mehr Steuern zahlen.

Clinton allerdings hält das für gefährlich, und ist damit ganz bei Obamas Gegner Mitt Romney und den Republikanern. Grund: Man dürfe in wirtschaftlich unsicheren Zeiten den Amerikanern nicht noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. Wer die Wohlhabenden höher besteuere, der treffe eben auch Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen wollen. Clinton plädiert stattdessen für eine pragmatische Lösung: Erst einmal weitermachen und nach der Wahl neu verhandeln – das Gegenteil dessen, was Obama will. „Mit Freunden wie diesen müssen Obamas politische Gegner nicht viel tun“, höhnte folglich am Dienstag die Politik-Website Politico.

Dabei ist der beliebte Ex-Präsident für Obama ein wichtiger Wahlkampfhelfer. Das Verhältnis der beiden Staatsmänner gilt eher als professionell, man geht zusammen golfen, aber eine Freundschaft ist es nicht. Vor vier Jahren hatte Clinton Obama noch hart bekämpft, als der damalige Senator aus Illinois mit Hillary Clinton um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten rangen. Nun sammelt Bill Clinton brav Spenden für Obama, verdammt Republikaner und umschwärmt Wähler, die der Amtsinhaber schwer erreicht.

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Bei Clinton hört Amerika zu

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  • Das Problem scheint ähnlich zu liegen wie bei uns, der Gegner muss anscheinend verteufelt werden, um die große Zahl tumber Wähler zu erreichen.
    Mir würde es genügen, wenn mit ein Kandidat überzeugend genug wäre, das ich seine Vorzüge und Ansichten denen seiner Kontrahenten vorzöge.
    aber das bleibt wohl Illusion, weil besonders Menschen im Wohlstand dafür viel zu faul zum Denken sind, um ihrer theoretischen demokratischen Verantwortung nachzukommen.
    Deshalb will der Wähler schwarz weiss Malerei, hier die Guten, dort die Bösen, auch wenn das auf Dauer die gesamte Galubwürdigkeit von Politikern und damit in die demokratie untergräbt.

    H.

  • He he, da hat beim Bill wohl das Bilderberger-Telefon geklingelt. Die wollen inzwischen nämlich Romney als Präsidenten. Insofern dürften auf Obomba noch viele Schockwellen zurollen....

  • Baluba

    Da fehlt die Quotenregelung und schon läuft alles wie geschmiert!

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