Ex-Senator dell'Utri Vermittler zwischen Berlusconi und Mafia verurteilt

Marcello dell'Utri ist erneut zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der frühere Senator als Verbindungsmann zwischen Ex-Premier Silvio Berlusconi und der Mafia fungierte.
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Marcello dell'Utri gilt als Vertrauter von Silvio Berlusconi. Quelle: dpa

Marcello dell'Utri gilt als Vertrauter von Silvio Berlusconi.

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RomEin Vertrauter des italienischen Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi ist erneut zu sieben Jahren Haft wegen Verbindungen zur Mafia verurteilt worden. Der frühere Senator Marcello dell'Utri habe als „Vermittler“ zwischen der sizilianischen Cosa Nostra und Berlusconi gedient, um den Schutz der Familie des Ex-Ministerpräsidenten zu erreichen, urteilten die Richter am Berufungsgericht in Palermo. Dell'Utri hatte mehr als 30 Jahre lang die Werbesparte Publitalia von Berlusconis Unternehmensgruppe Fininvest geführt, später wurde er als Vertreter von Berlusconis Partei in den Senat gewählt.

Dell'Utri war 2004 wegen seiner Verbindungen zur sizilianischen Mafia zu neun Jahren Haft verurteilt worden, 2010 wurde die Strafe auf sieben Jahre reduziert. Im März wurde das Urteil vom Obersten Berufungsgericht des Landes wegen fehlender Beweise für einen Teil des fraglichen Zeitraumes aufgehoben.

Gleichwohl sahen es die Richter als erwiesen an, dass Dell'Utri damals als Verbindungsmann zwischen Berlusconi und der Mafia fungierte. Die Anwälte dell'Utris wollen nun erneut vor den Obersten Gerichtshof ziehen. Es könnte sein, dass die mutmaßlichen Straftaten vor einem Urteil verjähren.

Der ehemalige italienische Regierungschef soll in den 1970er-Jahren unter anderem umfangreiche Schutzgelder an die Mafia gezahlt haben. Zudem soll Berlusconi Dell'Utri in den vergangenen zehn Jahren mehr als 40 Millionen Euro überwiesen haben. Die sizilianische Justiz geht davon aus, dass es sich um Schweigegeld handeln könnte, damit Berlusconis mutmaßliche Kontakte zur Mafia geheim blieben.

Silvio Berlusconis Milliardenimperium
BERLUSCONI AT ITALIAN SENATE
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Silvio Berlusconi ist nicht nur berühmt und berüchtigt als Italiens viermaliger Ministerpräsident. Der 76-Jährige ist mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von 7,8 Milliarden Dollar (2010) auch einer der reichsten Männer im Land. Seine unternehmerischen Aktivitäten hat Berlusconi in der Familienholding Fininvest gebündelt. Ein Überblick über Berlusconis Milliardenimperium.

Ratingagentur stuft Italien herab
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Noch vor dem Abschluss seines Jurastudiums 1959 wurde Berlusconi Geschäftsführer eines Mailänder Bauunternehmens. 1961 machte er sich mit der Firma Cantieri Riuniti Milanesi selbstständig. Berlusconi etablierte sich schnell als Investor zukunftsweisender Wohn- und Geschäftskomplexe um Mailand.

huGO-BildID: 5456440 Italian Prime Minister Silvio Berlusconi daugther, Marina Berlusconi, poses in Milan, 26 April 2004. She was named president of
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In den 70er Jahren richtete Berlusconi sein unternehmerisches Interesse zunehmend auf den Mediensektor. Fininvest, 1978 gegründet, erzielte 2011 einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro und fuhr einen Gewinn von 160 Millionen Euro ein. Unternehmensleiterin ist seine Tochter Marina Berlusconi. Das Unternehmen mit Sitz in Rom und Mailand, bei dem mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, gehört nach Medienangaben zu 63,3 Prozent Silvio Berlusconi und zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes. Der Wert der Unternehmen wird auf insgesamt rund sechs Milliarden Euro geschätzt.

Barbara, daughter of AC Milan's President and Italian PM Berlusconi looks on as she leaves after a presentation at the team's training center in Carnago
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Einen Anteil von jeweils 7,65 Prozent halten die Kinder Marina und Pier Silvio, die drei anderen Kinder Barbara (im Bild), Eleonora und Luigi teilen sich zusammen 21,4 Prozent. Zu Fininvest gehören das Film- und Fernsehunternehmen Mediaset, der Verlag Mondadori, die Finanzberatung Mediolanum, der Fußballverein AC Mailand und das Teatro Manzoni in Mailand.

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Größter Umsatzbringer in Berlusconis Reich ist der Medienkonzern Mediaset (Umsatz 2012: 3,721 Milliarden Euro, Gewinn: 287,1 Millionen Euro), an dem Fininvest mit 39 Prozent beteiligt ist. Dazu gehören drei landesweite TV-Sender, die dem Ministerpräsidenten eine beachtliche mediale Präsenz sichern: Italia 1, Rete 4 und der Flagschiffsender Canale 5 - spezialisiert auf populäre Unterhaltungssendungen wie C'è posta per te, Amici, Zelig und Big Brother. Mit einer durchschnittlichen Einschaltquote von 21,9 Prozent ist Canale 5 Italiens Marktführer. Foto: dpa

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Zum Mediaset-Konzern gehören neben der Werbeagentur Publitalia außerdem noch die spanischen Kanäle Cuatro und Telecinco und die Bezahlplattform Mediaset Plus. Zusätzlich betreibt das Unternehmen zahlreiche digitale Spartensender wie Boing, La 5, Iris und den Einkaufssender Mediashopping und hält Anteile an Produktionsfirmen und Werbeagenturen. Im November 2008 war Mediaset mit drei Prozent beim deutschen Bezahlsender Premiere - heute Sky (Bild) - eingestiegen. Foto: ap

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Bücher, Zeitschriften (darunter das Magazin "Panorama") und Radiosender bündelt Berlusconi im Verlagshaus Mondadori, an dem Fininvest mit 50,1 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen mit seinen 3.664 Mitarbeitern (Stand 2011) erzielte 2012 einen Umsatz von 1,416 Mrd. Euro. Im Jahr 2011 lag der Umsatz bei 1,5 Milliarden Euro. Screenshot: Panorama.it

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