Ex-Staatssekretär Chrobog
Libyens Kriegsparteien müssen sich versöhnen

Ex-Diplomat Jürgen Chrobog fordert nach dem Ende der Kämpfe dauerhafte Hilfe für Libyen. Denn auf die neuen Herrscher wartet eine Fülle von Problemen, die das Land schnell zu einem zweiten Irak machen könnten.
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DüsseldorfNach dem Ende des Gaddafi-Regimes kommt es jetzt darauf an, das Land zu versöhnen. Das fordert Jürgen Chrobog, ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt und heute Vorsitzender der BMW Stiftung, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

"Jetzt kommt es kurzfristig darauf an, den friedlichen Übergang zu gestalten. Zusammenhalt in Kriegszeiten ist etwas anderes als Einigkeit und gemeinsamer Gestaltungswille beim Wiederaufbau eines neuen Staatswesens. Auf Grund des Ölreichtums sind in Libyen die ökonomischen Voraussetzungen besser als in anderen arabischen Umbruchstaaten", schreibt Chrobog.

Der Diplomat warnt davor, den gleichen Fehler zu machen wie im Irak und das Militär aufzulösen. "In Libyen müssen nunmehr die Gaddafi-Anhänger, die gestern noch auf das Volk geschossen haben, in die zukünftige Entwicklung eingebunden werden. Eine Auflösung des Militärs wie im Irak hätte fatale Folgen und würde wie dort zu Gewalt und Terror führen", schreibt der Außenpolitiker.

Wenn das Land militärisch unter Kontrolle gebracht sei, seien andere Organisationen gefragt wie die Europäische Union. Es gehe um Hilfe bei der Schaffung eines demokratischen und rechtsstaatlichen Systems. "Beim Aufbau der Zivilgesellschaft sollte Deutschland als ein am Militäreinsatz nicht beteiligtes Land besondere Verantwortung übernehmen", fordert Chrobog.

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