Ex-UBS-Chef zur Volksabstimmung: „Die Schweiz bietet weiterhin attraktive Arbeitsplätze“

Ex-UBS-Chef zur Volksabstimmung
„Die Schweiz bietet weiterhin attraktive Arbeitsplätze“

Oswald Grübel ist Deutscher und hat zwei Schweizer Großkonzerne geführt. Im Interview spricht er über das Ergebnis der Volksabstimmung zur Zuwanderung: „Ich teile nicht den allgemeinen Pessimismus.“
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Oswald Grübel war einer der prominentesten deutschen Manager in der Schweiz. Von 2003 bis 2007 führte er die Großbank Credit Suisse, von 2009 bis 2011 die UBS.

Herr Grübel, die Schweizer wollen künftig die Zahl der Zuwanderer wieder über Kontingente steuern. Machen Sie sich über Ihre Aufenthaltsgenehmigung schon Sorgen?

Ich habe zwar keinen Schweizer Pass, aber ich Sorge mich nicht darum, dass ich meine Aufenthaltsgenehmigung verlieren könnte. Ich habe viele Jahre hier gearbeitet und glaube nun nicht, dass man mich jetzt noch rauswirft. Gestern wurden Regeln zur Begrenzung der Zuwanderung beschlossen und keine Ausschaffungs-Initiative.

Wie bewerten Sie das Votum?

Ich habe das so erwartet. Und ich habe großes Verständnis für die Entscheidung der Schweizer. In der Schweiz leben bereits fast ein Viertel Ausländer, soviel wie kaum in einem anderen Land in der Welt. Das konnte nicht so weiter gehen. Ich bin zudem sicher, dass auch in Deutschland eine vergleichbare Abstimmung ähnlich ausgegangen wäre, obwohl in Deutschland nur acht Prozent der Bewohner Ausländer sind. Wir Deutschen sollten also vorsichtig sein mit Kritik am Schweizer Votum.

Welche Folgen befürchten Sie für die Wirtschaft?

Kurzfristig keine. Denn jetzt hat die Regierung ja drei Jahre Zeit, um eine Lösung zu finden. Und die Wirtschaft braucht nur wenige der 80 000 Menschen, die jedes Jahr kommen. Ich bin zuversichtlich, dass auch weiterhin die Menschen ins Land kommen werden, die die Wirtschaft braucht. Und die Schweiz hat weiterhin attraktive Arbeitsplätze zu bieten, so dass auch weiterhin Hochqualifizierte ins Land kommen werden.

Fürchten Sie denn keinen Verwaltungsaufwand durch Kontingente?

Als ich in die Schweiz gekommen bin, hat es solche Kontingente bereits gegeben. Und aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nicht sagen, dass das Land damit schlecht gefahren ist. Zudem kann ich mir vorstellen, dass mit den heutigen technischen Möglichkeiten sich der Verwaltungsaufwand begrenzen lässt.

Fällt aber die Freizügigkeit, ist auch der EU-Marktzugang bedroht. Ist Ihnen das egal?

Nein, sicher nicht. Niemand weiß aber derzeit, was genau die Folgen für den EU-Marktzugang durch das Votum sein werden. Aber nicht nur die Schweiz hat ein Interesse am EU-Marktzugang, auch für die EU ist die Schweiz ein attraktiver Handelspartner. Ich teile nicht den allgemeinen Pessimismus, dass nun das Ende der bilateralen Verträge zwingend folgen wird. Die Schweiz ist in den vergangenen Jahr sehr stark auf die Europäische Union zugegangen. Zuletzt wurde sogar der Schweizer Franken de facto an den Euro gekoppelt. Jetzt sagen die Schweizer: Es reicht.

Wie sollen denn die Beziehungen zur EU ihrer Meinung nach aussehen?

Ich stelle fest, dass das Schweizer System der direkten Demokratie nicht mit der Funktionsweise einer Europäischen Union kompatibel ist. Ich habe daher nie viel von der Schweizer Strategie gehalten, sich mit einer Fülle von Einzelverträgen an die EU zu binden. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt, mit der EU ein umfassendes Freihandelskommen auszuhandeln, wie es die EU ja auch mit den USA anstrebt. Und in diesem Freihandelskommen ist die Zuwanderungsfrage natürlich ausgeklammert.

Kommentare zu " Ex-UBS-Chef zur Volksabstimmung: „Die Schweiz bietet weiterhin attraktive Arbeitsplätze“"

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  • Diese ganze scheinheilige Aufgeregtheit ist mir unverständlich. Hut ab vor der Schweiz. Die trauen sich was!
    Ich kenne kein einziges Land in der EU, bei der ein anderes Ergebnis bei einer Volksabstimmung herauskäme.

    Für ihre Hochleistungs-Integrations-Politik hat weder die EU noch eine andere Regierung in Europa derzeit eine qualifizierte demokratische Legitimierung. Und das ist mal Fakt.

  • margrit 1 sie haben vergessen: die presse, die nun wieder mit ebenso kurzsichtigen kommentaren und berichten in das Ausländerfeindlichkshorn stößt.
    die politik ist zu feige und zu bequem klare regeln für die zuwanderung zu erlassen und ist dankbar, dass ernsthafte ansätze zwischen EU und Nationalstaaten zerrieben werden. da sonnt es sich schön in hilfbereitschaft für die menschen. dass staaten, die einen unbequemeren weg einschlagen, risiken inkauf nehmen- nämlich sanktionen der EU- sie dienen ja einem moralisch guten zweck-wird abgebügelt. europa bringt uns rechtliche unklarheiten, weniger sicherheit und mehr sozialismus.

  • Es ist gut, dass mal jemand der Ahnung hat, das hysterische Geplärr der EU-Linken und mal wiedr vorrangig dr Deutschen relativiert.
    Danke an Herrn Bürgel

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