Ex-US-Aufseherin
Bair warnt vor zu laxem Umgang mit Europas Banken

Die gefürchtete Bankenkritikerin Sheila Bair macht sich Sorgen um Europas Bankenlandschaft. Die Institute hätten viel zu viel Spielraum, sagte die US-Republikanerin – und warnt auch die Steuerzahler vor den Auswirkungen.
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New YorkDie ehemalige US-Bankenaufseherin Sheila Bair hat vor strukturellen Risiken im europäischen Finanzsektor gewarnt. „Europas Banken erfüllen mich mit Sorge. Sie operieren mit viel zu viel geborgtem Geld. Und die europäischen Regulierer lassen den Banken viel zu viel Spielraum dabei zu entscheiden, was als Kapitalkissen gilt“, sagte sie im Interview mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). „Aus meiner Sicht sollten sich die europäischen Steuerzahler Sorgen machen.“

Sie äußerte zudem Zweifel daran, dass die internationalen Großbanken im Krisenfall problemlos zerlegt werden könnten. Sie sieht die Regulierer in den USA in der Pflicht, die Institute bereits jetzt auseinanderzunehmen. “Das Minimum wäre, die Banken zu einer Vereinfachung ihrer Strukturen zu zwingen. Das Einlagengeschäft sollte einfacher vom Rest zu isolieren sein. Das würde auch dem Management mancher Banken helfen ihr Institut wirklich zu verstehen“, sagte sie.

Bair rät den Aufsichtsräten und Aktionären der Wall Street, die Institute zur Selbstzerlegung zu zwingen und nicht auf die Entscheidung der Regulierer zu warten. „Viele Institute sind an der Börse weniger Wert als die Summe ihrer Einzelteile. Demnach hätten die Aktionäre mehr davon, wenn sie auseinander genommen würden“, so Bair.

Sheila Bair (58) gehört zu den mächtigsten und gefürchtetesten US-Bankenkritikern. Die Republikanerin war bis 2011 fünf Jahre lang Chefin der Aufsichtsbehörde FDIC und wehrte sich gegen die staatliche Bankenrettung. Heute arbeitet sie für einen Think Tank in Washington. In ihrem Buch „Bull by the Horns“ rechnet sie mit vielen ihrer Aufsichtskollegen ab, die sie als zu bankenfreundlich beschreibt.

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