Ex-US-Finanzminister Blumenthal
„Das ist ein Skandal, was da passiert“

Michael Blumenthal war US-Finanzminister unter Jimmy Carter als die US-Politik sich 1979 erst in der letzten Minute auf eine Anhebung des Schuldenlimits einigte. Im Interview mit Rolf Benders spricht er über die Folgen - und die Situation heute.

Handelsblatt: Herr Blumenthal, es heißt, 1979 habe es einen technischen Default von wenigen Stunden gegeben. Können Sie daraus etwas für die heutige Situation ableiten?

Michael Blumenthal: Schwierig. Was immer damals war, es hatte keine Relevanz und hatte keine Auswirkungen auf die Märkte. Wir sind heute in einer ganz anderen Situation, politisch wie wirtschaftlich.

Warum?

Das ist ein Skandal, was heute in Washington passiert. Wir sind ein reiches Land, das fundamental kein Problem hat, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Volksvertreter sind das Problem.

Wie meinen Sie das?

Bei uns und in Europa kann man eine Unfähigkeit der Politik beobachten, mit den wachsenden Problemen umzugehen. Die politische Klasse ist in ihrer Entwicklung stehen geblieben, und kann auf die Realität des 21. Jahrhunderts mit ihren extrem verwobenen, von Technologie dominierten Märkten nicht mehr adäquat reagieren.

Im Moment ist aber Washington das Problem ...

Bei uns ist die Politik enorm polarisiert. In meiner Zeit gab es im Senat und im Repräsentantenhaus immer einige Abgeordnete, die hin und wieder mit der anderen Seite gestimmt haben. Vor allem im Repräsentantenhaus ist das heute gar nicht der Fall. Im Gegenteil.

Seite 1:

„Das ist ein Skandal, was da passiert“

Seite 2:

Mit welchem Ausgang Blumenthal rechnet

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%