Ex-Vizepräsident Al Gore als Umweltschützer
Sei kein Frosch

Al Gore war einst Vizepräsident der USA. Jetzt will er es noch einmal wissen – aber nicht als Politiker, sondern als Umweltschützer. In einem Film präsentiert er sich jetzt als rettender Prinz, der eine schlafende Nation wachküsst.

BERLIN. Er kann es immer noch. Ein bisschen fülliger ist er, das Gesicht war schon mal straffer, aber als Al Gore vor dem weißglitzernden Vorhang steht, wirkt der große Kinosaal in Berlin plötzlich zwei Nummern kleiner. Gore füllt die Szene mit seiner Präsenz. Schon nach ein paar Sätzen versteht man, warum sich viele US-Demokraten den im Jahr 2000 auf umstrittene Weise von George W. Bush Besiegten sehnlich wieder als Präsidentschaftskandidaten für 2008 wünschen: Gore hat ein Thema, die Demokraten suchen verzweifelt eines. Der Kampf gegen die globale Klimakatastrophe könnte es werden: Seit Hurrican „Katrina“ und dem Benzinpreisanstieg finden die Amerikaner das früher belächelte Umweltthema gar nicht mehr komisch.

Der ehemalige US-Vizepräsident hat einen abendfüllenden Film über die Frage gemacht, die ihn seit Jahren umtreibt. Wir nennen es nüchtern-deutsch den Klimawandel, während Gore der Sache eine ganz andere Fallhöhe gibt. Er spricht davon, dass wir „das Überleben auf dem Planeten Erde ermöglichen müssen.“ So wird eine Aufgabe draus, die einen leibhaftigen Spitzenpolitiker erfordert.

Der Film ist schon jetzt eine der erfolgreichsten Dokumentationen in der US-Filmgeschichte. Viele in den USA verstehen den Streifen aber mehr als eine indirekte Bewerbung. Gore schweigt jedoch beharrlich zu seinen eventuellen politischen Ambitionen, auch an diesem Montagabend, als er „An inconvenient Truth – Eine unbequeme Wahrheit“ in Berlin vorstellt. Der Film läuft Ende der Woche in deutschen Kinos an.

Allerdings lässt Gore keinen Zweifel daran, dass es ihm um eine hochpolitische Frage geht: „Wenn wir es schaffen, diese Krise zu lösen, gewinnen wir die moralische Autorität und die langfristige Vision, um auch anderen Herausforderungen der Menschheit zu begegnen, unsere Rivalitäten zu überwinden und eine große Generation zu werden.“ Gore lädt sich und sein Thema so randvoll mit Energie auf wie ein Hurrican über dem Golf von Mexiko.

In Deutschland dürfte der Demokrat, dessen Vater schon im Kongress war, längst nicht mehr allen bekannt sein. Man kennt ihn als den Mann, der meist einen halben Schritt hinter Präsident Clinton stand und der im Jahr 2000 zwar die meisten Wählerstimmen erhielt, aber nicht die Wahlmänner von Florida – und deshalb nach einer umstrittenen Entscheidung des obersten Gerichts Bush den Einzug ins Weiße Haus überlassen musste. Sieht und hört man ihn heute, ist schlagartig wieder präsent, dass es einmal eine Zeit vor George W. Bush gab, in der die deutsch-amerikanischen Beziehungen florierten und die meisten Bundesbürger in den Vereinigten Staaten kein Problem oder gar eine Bedrohung, sondern eine bewunderte Nation sahen.

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