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13.05.2008 

Seither lebt Israel in einer mörderischen Nachbarschaft. Die radikal-islamische Hamas, die in Gaza regiert, spricht in ihrer Charta offen vom Dschihad als „einer bindenden Pflicht für alle Muslime“, um islamische Länder von den Feinden zu befreien. Die Führung des Irans nennt Israel einen Schandfleck, der aus der islamischen Welt getilgt werden müsse.

Zwei Nachbarn haben Israel als Tatsache akzeptiert und einen Friedensvertrag unterschrieben: Ägypten und Jordanien. Doch der hat nur Bestand, solange die beiden Länder keine Demokratien sind. Bei freien Wahlen würden mit großer Wahrscheinlichkeit Islamisten an die Macht kommen, für die der Widerstand gegen Israel die Dimension eines Heiligen Krieges hat.

Israel ist freilich nicht nur ein politischer und religiöser Fremdkörper im Nahen Osten, sondern auch eine kulturelle Herausforderung für Araber. Wie tief verwurzelt die Abneigung gegenüber Israel sein kann, zeigte mir ein Gespräch mit dem Chefredakteur des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira, Ahmed Sheikh. Im Grund genommen hätten die Araber einen Minderwertigkeitskomplex, sagte er mir recht offenherzig. Es gehe darum, dass „wir stets gegen Israel verlieren. Die Leute im Nahen Osten wurmt es, dass ein so kleines Land wie Israel mit rund sieben Millionen Einwohnern die arabische Nation mit 350 Millionen Bürgern besiegen kann. Das schadet unserem kollektiven Ego.“ Und dann sagte er: „Der Tag, an dem Israel gegründet wurde, legte das Fundament für unsere Probleme.“ Es geht also nicht allein um die Rückgabe der besetzten Gebiete, auch die würde keinen Frieden bringen. Er fügte hinzu: „Und das Problem des Westens ist es, dass er dies nicht versteht.“

1948, im Gründungsjahr Israels, wurden die Araber im Lande als existenzielle Bedrohung für den jungen Staat aufgefasst. Ohne Flucht oder Vertreibung von 700 000 bis 800 000 Palästinensern wäre der Staat Israel nicht zustande gekommen, sagt der Historiker Benny Morris von der Ben-Gurion-Universität, der als Erster die palästinensische Flüchtlingsproblematik wissenschaftlich untersucht hat. Heute wird die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen auf rund 5,5 Millionen geschätzt.

Palästinensische Politiker fordern das Unmögliche: die Rückkehr der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen ins heutige Israel. Auch wenn sich nur ein Teil für diese Option entscheiden würde – Israel und seine sieben Millionen Einwohner könnten die Zuwanderung weder demografisch noch wirtschaftlich verkraften. Dass sich in den vergangenen 60 Jahren das Land, in dem sie einst lebten, völlig verändert hat, wollen sie nicht wahrhaben.

Wird Israel also nur eine Episode in der jüdischen Geschichte sein? Die nukleare Aufrüstung der Ajatollahs hat zwar die Qualität einer existenziellen Bedrohung, aber Israels Armee bereitet Gegenmaßnahmen vor. Der Schlag gegen den syrischen Atomreaktor war eine Kostprobe für die Entschlossenheit der Staatsführung. Schwieriger zu bewältigen ist die demografische Herausforderung. Wenn die Zwei-Staaten-Lösung scheitert, wird den Arabern bis ins Jahr 2048 mit Hilfe der „demografischen Bombe“ gelungen sein, was sie in einem halben Dutzend Kriegen nicht geschafft haben: die Auflösung Israels als jüdischer Staat.

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