Existenzgründungen in Schwellenländern
Run auf Kleinstkredite

Erst vor wenigen Jahren haben Banken und Anlageverwalter das Geschäft mit Existenzgründungskrediten in der Dritten Welt entdeckt. Doch die stetigen Renditen ziehen immer mehr Investoren an, für die sich gleich mehrere Vorteile auftun.

FRANKFURT. „Doch jetzt reden wir schon über ein Volumen von schätzungsweise drei Milliarden Dollar, und der Markt wächst weiter dynamisch“, sagt Jürg Kohler, Vertriebsleiter bei der Responsibility AG in Genf. Die Gesellschaft hilft institutionellen Anlegern bei der Auswahl geeigneter Investments.

Mikrokredite sind Existenzgründungsdarlehen an Einzelpersonen in Entwicklungsländern (Beispiele siehe „Kleine Summen haben große Wirkung“). So genannte Mikrofinanzinstitute auf lokaler Ebene haben sich auf dieses Geschäft spezialisiert. Ein Fonds kann Kredite an solche Institutionen vergeben oder Beteiligungen an ihnen erwerben. Über den Kauf eines Fondsanteils können breitere Anlegerkreise in dieses Segment einsteigen und ein gestreutes Portfolio an Mikrofinanzinstitutionen in mehreren Kontinenten erwerben. Auch andere Kredit-Verpackungen, beispielsweise in Anleihen, sind denkbar.

Das Investment bietet mehrere Vorteile. „Die Anlage ist nachhaltig im Sinne von sozial verträglichen Anlagen, sie liefert eine stetige Rendite und die Erträge sind unabhängig von den Trends an den Wertpapierbörsen“, sagt Jean Philippe de Schrevel. Er ist Mitgründer von Blue Orchard, einer Beratungsgesellschaft in Genf. Die Firma betreut mit dem Dexia Micro-Credit Fund den 1998 aufgelegten und damit ersten Anlagefonds in diesem Segment.

De Schrevel taxiert die Zielrenditen für Endanleger auf den Geldmarktsatz plus ein bis zwei Prozentpunkte. „Das wären derzeit bis zu sieben Prozent jährliche Rendite“, sagt er. Momentan bereite Blue Orchard drei weitere Fonds vor, an Interessenten mangele es nicht. Im Dexia-Fonds sind seinen Angaben zufolge bereits drei Pensionsfonds aus den Niederlanden und zwei aus der Schweiz investiert. De Schrevel spricht von einem „riesigen" Marktpotenzial.

Im vergangenen Jahr erhielt das Geschäft einen Schub. Den Anstoß gab UN-Generalsekretär Kofi Annan, der das Jahr 2005 zum Jahr der Mikrofinanz ausrief. Pionier ist allerdings ein Ökonomie-Professor aus Bangladesh: Muhammad Yunus. Anfang der 70er-Jahre vergab er seine ersten Kleinstkredite an Arbeitslose. Einige Jahre später gründete der Professor ein eigenes Institut. Heute hat die Grameen-Bank über vier Mrd. Dollar an fast sechs Millionen Menschen verliehen.

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