Exit-Strategie
Geithner macht Ernst

Die US-Regierung beginnt offenbar mit dem Abbau von den in der Krise angesammelten Beteiligungen an Banken, Versicherungen und Autokonzernen. Laut Medienberichten steht bereits im Oktober der Verkauf von Anteilen an der Großbank Citigroup an.

ben/HB NEW YORK. Sprecher der Citibank sowie der Regierung wollten sich dazu nicht äußern. Finanzminister Tim Geithner hatte vergangene Woche erklärt, der Staat müsse damit beginnen, die Rettungsprogramme aus den Hochzeiten der Krise abzubauen und sich wieder aus der Wirtschaft zurückzuziehen. "Wir werden nicht einen Tag länger bei den Banken engagiert sein als nötig", entgegnete er auf die Kritik, der Staat dominiere die Wirtschaft zu stark. Durch die viele hundert Mrd. Dollar schweren Krisenprogramme besitzt Washington derzeit maßgebliche Anteile an Citigroup, Bank of America, der Versicherung AIG, den Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae sowie am Autohersteller General Motors.

Citigroup hatte 45 Mrd. Dollar vom Staat erhalten, mit denen die ehemals größte Bank der Welt vor dem Kollaps bewahrt wurde. Ein Teil der Mittel wurde später in einen Anteil von knapp 34 Prozent der Aktien des Instituts umgewandelt. Citigroup plant den Berichten zufolge eine Kapitalerhöhung, um einen Teil der Hilfssumme zurückzuzahlen. Gleichzeitig könnte das Finanzministerium Aktien des Instituts aus dem eignen Bestand veräußern. Ob durch die Operation der gesamte Betrag zurückgezahlt und die Anteil des Staates auf Null sinken wird, war gestern unklar.

Ein Ausstieg des Staates wäre sowohl für den angeschlagenen Citi-Chef VikramPandit als auch für die US-Regierung hilfreich. Pandit, der Medienberichten zufolge zeitweise auf der Abschussliste der Bankenaufseher stand, muss viele Geschäftsentscheidungen wie zum Beispiel die Gehälter der Topmanager in Washington vorlegen. Diese Pflicht gilt, solange die Regierung Anteile besitzt. Zudem hat er die Bank in zwei Segmente aufgespaltet, um nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Bereiche des gigantischen Konzerns zu veräußern. So lange der Staat aber überall mitredet, gelten die ohnehin schwierigen Verkäufe als praktisch unmöglich. "Jeder muss ein Interesse daran haben, die Regierung aus dem Nacken zu bekommen", sagte die selbstständige Analystin Meredith Whitney.

Sollte die US-Regierung tatsächlich den gesamten Anteil an der Citigroup verkaufen, winken dem Steuerzahler Milliardengewinne. Der Anstieg der seit der Wandlung von 3,25 Dollar zwischenzeitlich auf 4,52 Dollar gestiegenen Aktien bescherten Geithner einen Buchgewinn von 9,8 Mrd. Dollar. Allerdings dürfte es schwer sein, die Papiere im Block zu verkaufen, ohne den Kurs zu belasten. Die Berichte über die anstehenden Transaktionen ließen die Anteilsscheine gestern um rund fünf Prozent einbrechen.

Geithner versucht seit einigen Tagen, seinen politischen Gegner den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er ihnen vorrechnet, wie viel Geld der Staat bislang mit den Krisenengagements verdient hat. Eine profitable Citi-Transaktion würde ihm dabei helfen. Dividenden der Banken und Gebühren für Garantieprogramme hätten dem Staat eine Dividende von über 17 Prozent beschert, sagte er. Allein die Großbanken hätten 70 Mrd. Dollar an Hilfen zurückgezahlt, weitere 50 Mrd. Dollar würden vermutlich in den nächsten zwölf bis 18 Monaten zurückfließen.

Geithner kündigte zudem an, dass bestimmte Hilfsprogramme bald auslaufen werden. So wird die Regierung ab dem 18. September die Einlagen in Publikumsfonds nicht mehr versichern; auch die staatlichen Garantien für Bankenanleihen sollen im Oktober drastisch reduziert oder sogar beendet werden.

Allerdings will die US-Regierung will zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen. Einige der größten Banken würden nicht vor Ende des Jahres eine Genehmigung zur Rückzahlung der milliardenschweren Staatshilfen erhalten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Trotzdem kündigte sie an: „Wir werden wieder eine weitere Welle an Genehmigungen erleben“.

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