Exodus der Akademiker

Junge Griechen-Elite verlässt ihr Land

Je höher ein junger Grieche heute ausgebildet ist, desto stärker ist sein Drang, auszuwandern. Neun Prozent aller Uni-Absolventen verlassen ihr Land, sogar 51 Prozent der Promovierten. Doch sie gehen nicht gerne.
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Griechische Eltern haben die am besten ausgebildete Generation erzogen - jetzt fehlt es an geeigneten Arbeitsplätzen. Quelle: dpa

Griechische Eltern haben die am besten ausgebildete Generation erzogen - jetzt fehlt es an geeigneten Arbeitsplätzen.

(Foto: dpa)

AthenDass ausgerechnet Eleftheria und Sofia in diesem Deutsch-Seminarraum sitzen, um ihre Auswanderung vorzubereiten, lässt tiefer auf die Zustände in Griechenland blicken, als die meisten Zahlen oder Politikerreden.

Denn mit Eleftheria („Freiheit“) und Sofia („Weisheit“) verabschieden sich nicht nur zwei junge Frauen aus dem Krisenland – sondern auch zwei Tugenden.

Eleftheria und Sofia hocken im Athener Goethe-Institut und lernen gerade die deutsche Sprache. Während für viele ihrer Landsleute das Deutsch angesichts der harten Haltung der Bundesregierung in der Euro-Krise für Bedrohung und Hoffnungslosigkeit steht, sehen die beiden jungen Frauen in der Sprache ihr Symbol für Aufbruch und Neuanfang. Sie wollen nach Deutschland auswandern; ins Land des Exportweltmeisters, in das Land, wo der Staat nicht zu kollabieren droht, wo es Zukunft für sie gibt.

Eleftheria und Sofia haben eine gute Schule besucht und danach studiert. Jetzt sind sie in der Perspektivlosigkeit gelandet. Sie sind, wenn man so will, ganz normale junge Akademiker im Griechenland des Jahres 2011. Je höher ein junger Grieche heute ausgebildet ist, desto stärker ist sein Drang, auszuwandern. Neun Prozent aller griechischen Uni-Absolventen verlassen ihr Land, sogar 51 Prozent der frisch Promovierten.

Jeder Dritte landet von der Universität direkt in der Arbeitslosigkeit. Unter Akademikern hat sie sich seit 2007 verdoppelt. Insgesamt haben vier von zehn Griechen zwischen 15 bis 24 Jahren keinen Job. 2008, vor der Krise, waren es zwar auch schon 18,6 Prozent, aber seither hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Griechenland bietet nicht nur eine turbulente Gegenwart, Griechenland bietet vor allem keine Zukunft.

Unter den 25- bis 35-Jährigen haben 22 Prozent keine Arbeit, nach offiziellen Statistiken. Damit verspielt das Krisen-Land eine wichtige Ressource: Etwa ein Zehntel der Bevölkerung (1,1 Millionen Menschen) sind jünger als 25 Jahre, weitere 1,5 Millionen sind zwischen 25 und 34 Jahre alt. Das sind die Zahlen, die Eleftheria und Sofia im Hinterkopf haben, während sie in den Räumen des Goethe-Instituts deutsche Vokabeln lernen. Die beiden jungen Frauen sind wie viele Griechen, sie lieben ihr Land. Und dennoch sehen sie keine Alternative zur Auswanderung.

Sofia etwa. Die 28-Jährige arbeitet als Projektmanagerin in der Verwaltung der Alpha-Bank, eines der angeschlagenen Geldinstitute in Griechenland. „Wenn unsere Bank jetzt mit der Eurobank fusioniert wird, habe ich Angst um meinen Job“, sagt sie und ergänzt: „Jetzt in der Krise glaube ich meine Heimat verlassen zu müssen.“ In Deutschland sei es leichter einen krisensicheren Arbeitsplatz zu finden: „Deutschland sucht doch händeringend, heißt es in den Medien immer.“

Eleftheria möchte in einem Staat leben der funktioniert
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26 Kommentare zu "Exodus der Akademiker: Junge Griechen-Elite verlässt ihr Land"

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  • Es stellt sich allerdings die Frage, ob es sich hier tatsächlich um gut ausgebildete Akademiker, um eine Intelligenz oder Elite handelt. Wenn man in Deutschland wüsste, wie einfach es hier ist einen akademischen Titel zu bekommen, auch 2 oder 3, dann sähen die meisten Kommentare zu diesem Artikel ganz anders aus.

  • Ein bischen Wettbewerb schadet nicht. Wer sich dem nicht stellt, hat eh schon verloren. Ich heisse jeden gut ausgebildeten Griechen willkommen. Auch unser Land hat viel vom Multikulturellen profitiert.

  • Ein Volk wird versklavt!
    Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Griechenlands und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
    Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault und die korrupte griechische Regierungsmitglieder, Bankmanager unbestraft ein leben in Luxus und Überfluss genießen.
    Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Russland, in China, in Frankreich, in Italien und auch in der Türkei! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
    Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

  • Da kann man nur hoffen das in D bald intensiver über die Integration der wichtigen Zuwanderer geredet wird und die Problemausländer etwas härter angefasst werden. Man sollte endlich das Potential von D offensiv nutzen und einwerben was einzuwerben geht an hochqualifizierten jungen Leuten. D verträgt ohne Probleme noch 5-10Mill mehr Menschen und wenn das Menschen sind die viel Steuern zahlen und als Hochgebildete ihre Kultur als Bereicherung und nicht als Problem in D einbringen dann kann D nur gewinnen. Wenn wir jetzt nicht unsere starke Stellung nutzen um unsere Probleme Überalterung, Renten, Pflege, Staatsschulden zu lösen sind wir selber schuld.

  • Genau so schauen die Perspektiven von Akademikern in Griechenland aus. Und zwar nicht nur in der Gegenwart und der Zukunft, aber auch in der Vergangenheit. Griechenland gehört leider nur den wenigen Staatsbediensteten, die dieses System geschaffen haben und mit aller Gewalt den Status Quo halten möchten. Es benötigt einer großen Krise um eine große Veränderung herbei zu führen.

  • @ Neptun,
    was Sie schreiben ist nur bedingt richtig, die EU sollte ursprünglich weiter entwickelt werden als es dann geschehen ist. Der Uhrgedanke war politisch. Erst durch den Mauerfall und Zerfall der Sowjetunion ist das ursprüngliche Ziel aufgegeben worden. Die Eurozone ist dann zu einer Art Reservat für deutsche Exporte entartet. Als Griechenland, Italien, Spanien und paar andere den Euro eingeführt haben war diese Entwicklung noch nicht abzusehen. Man hat sich eine Art Föderation versprochen oder versprechen wollen. Bei der heutiger Entwicklung macht es nicht einmal für Frankreich wirklich Sinn in der Währungsunion zu bleiben. Leider wurde damals keine Ausstiegsmöglichkeit vorgesehen, nicht einmal ein rausschmiss ist möglich. Nur ein freiwilliger Austritt aus der EU insgesamt ist den Euro-Länder erlaubt.
    Das wird ein Land wie Griechenland, Italien, Frankreich oder Portugal nicht machen, weil das Land dann allein da steht. Und, wie von manchen Professoren vorgeschlagen, eine zweite Eurozone zu schaffen macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Der Aufwand würde sich nicht lohnen und es gibt keine Garantie dass dann nicht wieder Wirtschaftsdivergenzen entstehen würden. Das Problem wäre wieder da. Die Lösung ist dass man für eine stärkere Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion sorgt, auch wenn dafür die Regeln geändert werden müssen. Auch eine Zentrale Steuerbehörde für die gesamte Eurozone könnte zum Ziel führen. Allerdings wird man da auf Widerstand aus Deutschland, als größter Nettozahler (nicht Pro-Kopf, aber absolut) und wahrscheinlich Frankreich als die Grande Nation, stossen. Traurig aber wahr. Das ist aber wirklich alternativlos!
    Verantwortlich dafür kann man keiner machen, weil keiner das es gewollt hat. Und wenn, dann Gorbi, der kam zu früh und das Leben hat ihn dafür bestraft.

  • Was für Eliten denn - die haben doch in ihrem eigenem Land, in ihrer eigenen Landessprache nichts gebacken bekommen.

  • pervers

    Die geprellten griechischen Steuergelder (die Euro-Kredite) fliessen jetzt in Berliner Immobilien (und Schweizer Bankkonten) und treiben hier die Preise hoch.
    ==
    Ja, deren bester Berater sind die Deutsche Banken!

    Gleichzeitig löst sich dort die industrielle Basis auf und die akademische Jugend haut ab.
    ==
    Es ist nicht schlecht, wenn diese Jugend auch arbeitet und nich nur im Kaffeeladen das Geld von seiner Eltern verbraucht.

    Griechenland stellt sich auf die Euro-Hartz4-Daueralimentierung ein. Mit Yachten und Porsche Panamera etc ...
    ==
    Hm, die letzte EU Entscheidungen lassen so etwas nicht zu. Im Gegenteil, die Griechische Regierung soll jetzt besser mit dem Darlehen erwirtschaften.

  • @Amen, Sorry D kann man nicht dafür verantwortlich machen, weil das Land exportiert. Die Hauptschuld liegt beim griechischen Staat und dessen korrupten System. Keiner hat Griechenland gezwungen sich über die Maße hinaus zu verschulden. Das war ganz allein der griechische Staat. Sich in die Währungsunion zu begeben, war auch sehr dumm, man stürzte sich in einem Wirtschaftskonkurrenz mit starken Länder wie Deutschland, ohne die Fähigkeit zu haben da mithalten zu können. Da Griechenland den Euro nicht abwerten kann, wie es mit Drachmen möglich war, bleibt es für mind. 10 bis 20 jahren in Rezession. Die Türken hatten das Glück, dass sie in der EU nicht aufgenommen wurden, sonst hätten sie das gleiche Schicksal gehabt wie Griechenland. Die türkische Wirtschaft entwickelt sich rasant ohne EU, da sie ihre Lira nach Bedarf abwerten kann. Meiner Einschätzung nach werden die Mehrheit der gut gebildeten Griechen eher nach USA/Kanada auswandern. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Mehrheit der ungebildeten Griechen ihr Glück in Deutschland suchen werden, und das ohne Einwanderungsschranken. Was das dann für Sozialsysteme in Deutschland zu bedeuten hat, bleibt ab zu warten.

  • Die ganze Sache halte ich eher für eine Phantom-Diskussion. Den Frust der jungen Griechen verstehe ich zwar, auch den Wunsch in einem anderen Land einen gutbezahlten Job zu bekommen. Das Anforderungsprofil würde dann in Deutschland ungefähr so aussehen: Gesucht wird ein Grieche mit perfekten Deutsch/Englisch Kenntnissen, 25 Jahre, ungebunden, einen deutschen/westeuropäischen Uni Abschluß, mehrjährige Berufserfahrung und gute Zeugnisse von nicht griechischen Unternehmen, der Wille jederzeit auf Abruf Verfügung zu stehen, das erste Jahr auf Probe als unbezahlter Praktikant oder auf 400 Euro Basis zu arbeiten....bei Eignung ggf. eine Festeinstellung über eine namhafte deutsche Leihfirma, erst einmal um die Spitzen abzudecken auf telefonischen Abbruf von zu Hause aus, Anfangsgehalt: nach wirklich geleistetn Arbeitsstunden, keine Bezahlung der Bereitschaft (10-35 Stunden mal 8,55 Euro brutto, Anreisekosten werden nicht übernommen) HERZLICH WILLKOMMEN IM WIRTSCHAFTSWUNDERLAND GERMANY!!!

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