Experte des Währungsfonds erwartet mehr Wachstum in Deutschland
IWF sieht bedeutende Reformen in Europa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eingeräumt, dass sozialpolitische Reformen in Europa an ihre Grenzen gestoßen sind. „Regierungen, die zu schnell vorgehen, zahlen einen hohen politischen Preis: Sie werden vom Wähler abgestraft“, sagte ein hochrangiges IWF-Mitglied dem Handelsblatt.

WASHINGTON. Jetzt komme es in ers-ter Linie darauf an, die begonnenen Reformen umzusetzen. Ausdrücklich würdigte der IWF-Mann die politischen Initiativen in Frankreich, Deutschland und Österreich. Mit Blick auf Deutschland fügte er hinzu: „Die in der Agenda 2010 zusammengefassten sozialpolitischen Maßnahmen sind ein bedeutender Schritt – allerdings ist in der Vergangenheit zu lange zu wenig passiert.“

Dagegen gehen die Reformen dem Chef des Institutes for International Economics in Washington, Fred Bergsten, nicht weit genug. „Deutschland muss sich noch mehr dem Wettbewerb stellen, den Kündigungsschutz lockern und die Zahl der Wochenarbeitsstunden erhöhen“, sagte Bergsten dem Handelsblatt.

Im IWF ist man zuversichtlich, dass die starken Exporte der deutschen Industrie 2005 auf die schwache Inlandsnachfrage überschwappen werden. Bisher sei jede wirtschaftliche Erholung in Deutschland so verlaufen, dass ein anziehender Export erst den Konsum und dann den Arbeitsmarkt mitgerissen habe, betonte der IWF-Mann: „Nichts spricht dagegen, dass dieses Transmissionsmuster auch dieses Mal greift.“ Allerdings falle die Durchschlagskraft möglicherweise geringer aus.

Sollte der Ölpreis über einen längeren Zeitraum die Marke von 40 Dollar pro Barrel (159 Liter) überschreiten, könne dies zu einem „Problem“ werden. Die Sorge von Bundesfinanzminister Hans Eichel, wonach steigende Ölpreise die Weltwirtschaft abbremsen könnten, sei „berechtigt“, so der IWF-Mann. Auch der amerikanische Finanzminister John Snow bezeichnete gestern die hohen Energiepreise als „Hindernis für eine an sich nachhaltige Erholung der US-Konjunktur“. Beim Fonds gilt folgende Faustregel: Klettert der Ölpreis auf das Jahr gerechnet um fünf Dollar pro Barrel, kostet das weltweit 0,3 Punkte Wachstum. In seinem letzten „World Economic Outlook“ vom April hatte der IWF für 2004 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 30 Dollar pro Barrel kalkuliert; für 2005 hatte er 27 Dollar angesetzt. Gestern bewegte sich der Ölpreis um die 43-Dollar-Marke.

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