Experte fürchtet Nullwachstum
Proteste schaden libanesischer Wirtschaft

Die anhaltenden Proteste von Gegnern und Befürwortern der syrischen Präsenz und die Nachwirkungen des Attentats auf Ex-Premier Rafik Hariri belasten zunehmend die Wirtschaft des Libanon.

HB BEIRUT. „Die Demonstration war großartig“, sagte Khaled Kassar, Eigentümer einer Wirtschaftsberatungsfirma in Beirut, mit Blick auf die Großkundgebung vom Wochenende, „aber ich hoffe, dass es die letzte war.“

Seit dem tödlichen Anschlag auf Hariri am 14. Februar, hinter dem die USA Syrien vermuten, haben die libanesischen Unternehmen durch Staatstrauer und die diversen Kundgebungen im Schnitt fünf Ausfalltage gehabt. Die Tourismusbranche, die in diesem Jahr mit einem guten Geschäft gerechnet hatte, muss ihre Hoffnungen nach dem Attentat begraben. Immerhin sei es der Regierung gelungen, die Stabilität der libanesischen Lira nach dem Attentat zu sichern, betonen Experten. Die Koppelung der Landeswährung an den US-Dollar wird seit mehr als zehn Jahren von der Banque du Liban (BDL) aufrechterhalten und gegebenenfalls mit Stützungskäufen gesichert. Eine durch die politische Unsicherheit nach dem Anschlag ausgelöste Flucht aus der Lira hätte verheerende Folgen für die libanesische Wirtschaft.

Die wird nach Ansicht des Volkswirts Marwan Iskander, einer Autorität im Libanon, aber auf jeden Fall schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das erhoffte Wirtschaftswachstum von fünf bis sechs Prozent sei auf keinen Fall zu erreichen. Im schlimmsten Fall könne am Ende des Jahres sogar eine Null unter dem Strich stehen, so Iskander.

Der aktuelle Konflikt mit Syrien ist auch deshalb so brisant, weil die libanesische Volkswirtschaft ohne enge wirtschaftlichen Beziehungen zum Nachbarland nicht überlebensfähig ist.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Libanon beträgt heute nur knapp 20 Mrd. Dollar. Als das Hariri-Attentat das Land erschütterte, kam die Wirtschaft gerade aus den Nachwehen einer mehrjährigen Rezession. Die Schuldenlast beträgt mehr als 33 Mrd. Dollar oder fast 170 Prozent des BIP.

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