Experten Al Kaida behält seine finanzielle Schlagkraft

Die Gefahr von Anschlägen ist durch den Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden aus Sicht von Experten nicht geringer geworden. Das liegt wohl auch daran, dass die Finanzierung des Netzwerks weiter gesichert ist.
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Osama bin Laden. Quelle: dapd

Osama bin Laden.

(Foto: dapd)

Düsseldorf/BerlinNach Einschätzung des Ökonomen Friedrich Schneider wird der Tod Osama bin Ladens das Terrornetzwerk Al Kaida nicht entscheidend schwächen. Finanziell sei die Organisation weiter gut aufgestellt, sagte der Wirtschaftsprofessor an der Johannes-Kepler-Universität Linz Handelsblatt.

Schneider, der die Finanzströme islamischer Terrororganisationen untersucht hat, führt als Grund vor allem die breite ökonomische Basis an, auf der Al Kaida agiert. Demnach speist sich die Finanzierung der Organisation, deren Vermögen zuletzt auf rund fünf Milliarden Dollar geschätzt wurde, vor allem aus Einnahmen aus dem Drogenhandel in Afghanistan (50 Prozent). Weitere wichtige Einnahmequellen seien der illegale Diamantenhandel aus Zentral- und Westafrika (15 Prozent), Kleinkriminalität wie Entführungen und Schutzgelderpressung (10 Prozent) sowie Spenden und Zuwendungen (15 Prozent). Das Vermögen bin Ladens mache nur etwa 10 Prozent der Gesamtfinanzierung aus.

Wie Friedrich sagte, steckt das Terrornetzwerk das meiste Geld in Stützpunkte in Somalia und im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sowie in die Unterhaltung radikaler Koranschulen (20 bis 50 Millionen Dollar). Der Experte sieht Möglichkeiten, die Terrorfinanzierung wirkungsvoll zu bekämpfen. Dazu müsse sich die internationale Gemeinschaft zu einer Liberalisierung des Drogenmarktes sowie strengeren Gesetzen beim illegalen Diamantenhandel durchringen, sagte Friedrich.

"Die vom islamischen Extremismus ausgehenden Gefahren sind völlig unabhängig vom Leben und Tod bin Ladens", sagte auch der Berliner Terrorismus-Experten Berndt Georg Thamm Die neue Dschihadisten-Generation arbeite unabhängig von der Gründergeneration. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass mit dem Tod einer Führungsperson die gesamte Bewegung massiv geschwächt wird."

Ähnlich urteilte der Direktor des Kieler Instituts für Sicherheitspolitik, Joachim Krause: "Das Netzwerk Al-Kaida wird meines Erachtens nach bestehen bleiben", sagte er Reuters. Wie Krause und Thamm meinte auch der Terrorismus-Experte der Stiftung Politik und Wissenschaft, Guido Steinberg, an der Terrorgefahr für Deutschland und Europa ändere sich nichts.

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