Experten erwarteten keine Verschlechterung der Beziehungen der beiden Nato-Staaten
Türkei schickt doch keine Truppen in den Irak

Angesichts der starken Widerstände gegen türkische Soldaten im Irak wird Ankara nun doch keine Truppen ins Nachbarland schicken. Einen Monat nachdem das türkische Parlament der Entsendung von Soldaten grundsätzlich zugestimmt hatte, um den USA bei der Stabilisierung des Landes zu helfen, beschloss die Regierung am Freitag, davon zunächst Abstand zu nehmen.

HB ANKARA. Das bedeute aber nicht, dass die für ein Jahr erteilte Ermächtigung hinfällig sei, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf Fragen von Journalisten. Regierungskreise betonten, dass die Türkei „in dieser Phase und unter den gegenwärtigen Bedingungen“ keine Soldaten entsenden werde.

Auf Drängen der USA hatte sich Ankara bereit erklärt, sich mit bis zu 10 000 Soldaten an der Stabilisierungstruppe zu beteiligen. Vehementen Einspruch gegen jegliche Truppen aus den Nachbarländern hatte der provisorische Regierungsrat im Irak erhoben, vor allem auch kurdische Politiker. Auch bei der moslemischen Bevölkerung der Türkei fand die geplante Truppenentsendung kaum Zustimmung.

Das türkische Außenministerium teilte am Freitag in Ankara mit, die Regierung habe dies nach einem Telefonat des türkischen Außenministers Abdullah Gül mit seinem US-Kollegen Colin Powell entschieden. Powell habe der Türkei für das Angebot gedankt und zugesagt, gegen kurdische Separatisten vorzugehen, die sich im Nordirak versteckt hielten - eine Kernforderung der Türkei, die ein Wiederaufflammen des Konflikts mit ihrer kurdischen Minderheit fürchtet. Mit seinem geplanten militärischen Engagement hatte sich Ankara vor allem auch ein Mitspracherecht bei der politischen Entwicklung im Nachbarland sichern wollen.

Die USA bedauerten den Schritt. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte aber: „Lassen Sie uns nicht vergessen, dass das Ziel Stabilität im Irak ist.“ Den USA, der Türkei und den Irakern sei klar, dass die Entsendung türkische Truppen „zum gegenwärtigen Zeitpunkt möglicherweise dieses Ziel nicht in der Weise voran gebracht hätte, wie wir uns das erhofft hatten.“

Experten erwarteten keine Verschlechterung der Beziehungen der beiden Nato-Staaten. Unter Verweis auf die Lage im Irak, wo die US-Truppen täglich Angriffen ausgesetzt sind, bezeichnete Oberst Terence Taylor vom International Institute for Strategic Studies in Washington die Entscheidung aber als Ausdruck von mangelndem Vertrauen.

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