Experten fürchten um Sicherheit
Venezuela verstaatlicht milliardenschwere Ölprojekte

Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat den Austritt seines Landes aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank angekündigt.

HB CARACAS/PUERTO PIRITU. „Wir wollen da nicht dabei sein“, sagte der linksgerichtete Staatschef am Montag. Chavez wirft den in Washington ansässigen internationalen Organisationen vor, an der anhaltenden Armut in Lateinamerika schuld zu sein. Ihm schwebt stattdessen die Gründung einer neuen Kreditbank vor, die von Nationen der Region geleitet wird.

Im Rahmen einer Kundgebung zum 1. Mai verkündete Chavez am Dienstag zudem die staatliche Übernahme von milliardenschweren Ölprojekten, die bislang von ausländischen Unternehmen betrieben wurden. „Wir erhalten so die Kontrolle über die Orinoco-Region zurück, die der Präsident richtigerweise als die weltweit größte Rohöl-Reserve bezeichnet“, sagte Gewerkschaftsführer Marco Ojeda vor der Demonstration.

Von der Verstaatlichung sind die US-Unternehmen ConocoPhillips, Chevron und Exxon Mobil, sowie die britische BP, Norwegens Statoil und die französische Total betroffen. Alle erklärten sich bereit, die Kontrolle an den Projekten dem Staat zu übergeben. Chavez hatte angekündigt, mindestens 60 Prozent in staatliche Hand zu überführen. Experten befürchten, dass es in den Bereichen Produktion und Sicherheit Probleme bekommen könnte, wenn das Management und die Technologie der erfahrenen Ölmultis fehlen. Die vier Projekte der Orinoco-Region sind Schätzungen zufolge mehr 22 Mrd. Euro wert. Es werden dort über 600 000 Barrel Rohöl am Tag (bpd) weiterverarbeitet.

Die Verhandlungen über Ausgleichszahlungen und zukünftige Minderheitsbeteiligungen der Alt-Eigentümer, die bis zum 26 Juni abgeschlossen sein sollen, könnten sich noch als schwierig erweisen. Ölminister Rafael Ramirez hat bereits angekündigt, dass es in einigen Fällen keine Kompensationen geben könnte. Mit ConocoPhillips war bislang keine Vereinbarung zu Stande gekommen. Bei früheren Verstaatlichungen hat die Regierung den Alt-Eigentümern jedoch Entschädigungen gezahlt. Erklärtes Ziel der Nationalisierungen ist es, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft gerechter zu verteilen. Kritiker werfen Chavez dagegen vor, ausländische Kapitalgeber zu vertreiben.

Venezuela ist nach US-Daten der achtgrößte Ölexporteur der Welt. Eigenen Angaben zufolge fördert das Land drei Mill. bpd, Analysten glauben jedoch, dass lediglich 2,6 Mill. bpd gewonnen werden.

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