Experten kritisieren „Lex Renault“
Frankreich schützt heimische Champions

Frankreichs Regierung versucht, heimische Unternehmen durch die Hintertür vor feindlichen Übernahmen zu schützen.

PARIS. Ein neues Gesetz sieht vor, dass ein Interessent, der eine französische Aktiengesellschaft übernehmen will, auch ein Pflichtangebot für die in- und ausländischen börsennotierten Filialen des Zielunternehmens abgeben muss. „Dieses Gesetz scheint wie gemacht zu sein, um Renault vor einer Übernahme zu schützen“, sagt Pierre-Henri Leroy, Chef der Beratungskanzlei Proxinvest.

Während das VW-Gesetz in Deutschland, das Volkswagen vor feindlichen Übernahmen schützt, auf Drängen der EU-Kommission bald fallen dürfte, hebt Paris ein neues Schutzschild vor die französische Industrie. Entsprechend skeptisch betrachtet Brüssel den Vorstoß aus Paris: „Wir prüfen die Regelung derzeit“, sagte eine Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. „Sollten wichtige EU-Gesetze wie die Freizügigkeit des Kapitalverkehrs im Binnenmarkt verletzt werden, so müssen wir einschreiten.“

Die neue Übernahmeregelung ist in Artikel 34 des „Gesetzes für das Vertrauen und die Modernisierung der Wirtschaft“ enthalten, das bereits im Sommer vom Parlament verabschiedet wurde. Der Passus, der bislang nicht angewendet wurde, würde etwa eine Übernahme von Renault deutlich erschweren. Denn der Autokonzern ist mit 44 Prozent am japanischen Autobauer Nissan beteiligt. Ein Wettbewerber, der sich für Renault interessiert, muss nun also auch ein Kaufangebot für Nissan vorlegen. Damit müsste der Käufer nicht nur rund 22 Mrd. Euro für Renault aufbringen, sondern zusätzlich 40 Mrd. Euro für Nissan. Damit kostete die Renault-Übernahme rund 62 Mrd. Euro – und wird damit faktisch unmöglich. Auch andere französische Unternehmen wie Suez, die mit Electrabel in Belgien eine wichtige Auslandstochter besitzen, sind schwerer zu schlucken.

Das französische Recht sah bisher schon die Regelung vor, dass ein Aufkäufer einer französischen Gesellschaft auch die wichtigen börsennotierten Töchter im Inland übernehmen muss. Nun wird die Geltung auch auf das Ausland ausgedehnt. Voraussetzung ist aber, dass die französische Mutter mehr als 33 Prozent an der ausländischen Filiale hält und diese für die Mutter ein „wichtiges Aktivum“ darstellt.

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