Expertenbericht zur globalen Landwirtschaft
„Business as usual ist keine Option mehr“

Der enorme Preisanstieg treibt die Bewohner von Entwicklungs- und Schwellenländern zur Verzweiflung. Der Weltlandwirtschaftsrat fordert nun eine radikale Umstellung der Produktion. „Business as usual“ sei keine Option mehr, heißt es in einer alarmierenden Studie. Doch die USA, aber auch Vertreter der Industrie, stimmen nicht allen Befunden zu.

HB PARIS. Ein dauerhafter Ausweg aus der Ernährungskrise ist nach Einschätzung des Weltlandwirtschaftsrates (IAASTD) nur durch eine radikale Umstellung der globalen Agrarproduktion zu erreichen. Die Produktivitätssteigerung durch technologische Fortschritte ist an ihre Grenzen gestoßen und die Kosten für die Umwelt und die Entwicklungsländer werden zu hoch.

Zu dem Ergebnis kam das Gremium aus rund 400 Experten, Regierungs- und Industrievertretern, dessen Bericht bei der Unesco in Paris vorgestellt wurde. „Business as usual ist keine Option mehr“, heißt es in dem Dokument, das von 54 Staaten unterzeichnet wurde. Das derzeitige System helfe den Bedürftigen nicht. „Die ärmsten Entwicklungsländer sind die Verlierer weiterer Handelsliberalisierungen“, erklärte IAASTD-Direktor Robert Watson.

Der industrielle Intensivanbau in Monokulturen und mit gentechnisch veränderten Pflanzen habe zwar die Produktion gesteigert, schreiben die Experten. „Aber einfache Bauern, Arbeiter, ländliche Gemeinden und die Umwelt müssen den Preis bezahlen.“ Der Weltlandwirtschaftsrat fordert deswegen die Umstellung auf eine „multifunktionale“ Landwirtschaft, die den Erhalt und die Erneuerung der natürlichen Ressourcen wie Wasser, Böden, Wälder und Artenvielfalt in den Mittelpunkt rückt.

Die Produktion von Biotreibstoff birgt für den IAASTD eine große Gefahr. „Die Nahrungsmittelpreise können dadurch weiter steigen und die Chancen, den Hunger auf der Welt zu vermindern, werden reduziert.“ Die negativen Effekte für die Umwelt durch den Bedarf an Wasser und Anbauflächen würden durch eine weitere Produktion von Biotreibstoff der ersten Generation fortbestehen.

Der Rat warnt auch vor den Gefahren der Biotechnologie - etwa in Form genmanipulierter Pflanzen - für die Entwicklungsländer. Dadurch würden lokale Anbaupraktiken, die die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung und die Wirtschaft sicherten, unterwandert. Durch Patente der Konzerne stiegen zudem die Kosten, und der Zugang der Bauern vor Ort werde eingeschränkt.

China und die USA haben insbesondere gegen diesen Teil des Berichtes Vorbehalte. „Dennoch wird unsere Botschaft die Einstellung zur Landwirtschaft verändern und hoffentlich einen Paradigmenwechsel einleiten“, sagte Fabrice Dreyfus, einer der führenden Autoren der Studie.

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