Explosionen in mehreren Städten
Serie von Selbstmordanschlägen erschüttert Saudi-Arabien

Am letzten Ramadan-Tag versetzen mehrere Selbstmordanschläge Saudi-Arabien in einen Schockzustand: Die Attentäter schlugen in Medina, Dschidda und der Schiiten-Hochburg Katif zu. Mehrere Menschen kommen dabei ums Leben.

Dubai/RiadDie Moschee mit dem Grab des Propheten Mohamed in Saudi-Arabien ist lokalen Medienberichten zufolge am Montag Ziel eines Selbstmordanschlags geworden. Der Attentäter habe sich während des Fastenbrechens bei einem Gebäude der Sicherheitskräfte vor der Prophetenmoschee in Medina in die Luft gesprengt und vier Menschen mit in den Tod gerissen, berichtete der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija. Die Moschee ist nach Mekka die zweitheiligste Stätte des Islam.

Vor der Moschee mit dem Grab Mohammeds in Medina hatten sich viele Gläubige zum Abendgebet im Fastenmonat Ramadan versammelt, als es zu dem Zwischenfall kam. Örtlichen Medien zufolge hatte der Attentäter das Gotteshaus im Visier. Das Innenministerium meldete, der Mann habe das Misstrauen der Sicherheitskräfte erregt und sich dann auf einem anliegenden Parkplatz in die Luft gesprengt. Etliche Autos hätten Feuer gefangen, dicke Rauchwolken stiegen über dem Explosionsort auf.

Es war bereits der dritte Selbstmordanschlag am Montag in dem erzkonservativen und mit dem Westen verbündeten Öl-Staat. Niemand bekannte sich zunächst zu den Taten. Es wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass es sich um Taten der Terrormiliz Islamischer Staat handeln könnte.

Die Türkei macht die Dschihadisten für den verheerenden Anschlag vergangene Woche auf den Flughafen in Istanbul mit 45 Toten verantwortlich. Die Dschihadisten bekannten sich jedoch nicht zu der Tat. Für den Anschlag in der Nacht zu Sonntag in der irakischen Hauptstadt Bagdad mit 213 Toten bekannte sich der IS.

Sollte es sich um eine Serie koordinierter IS-Anschläge handeln, wäre das ein beunruhigendes Signal für das erzkonservative ölreiche Königreich. Radikale Islamisten werfen der Führung des Landes wegen der Zusammenarbeit mit dem Westen Gotteslästerung vor.

Die weitläufige Moschee wird jedes Jahr von Millionen von Muslimen als Teil ihrer Pilgerreise nach Mekka besucht. Der 25-jährige Altajeb Osama war fürs Abendgebet auf dem Weg zu dem Gotteshaus, als er innerhalb von einer Minute zwei starke Knallgeräusche hörte. „Es war sehr schockierend, dass so etwas an solch einem heiligen Ort für Muslime passiert, dem zweitheiligsten Ort der Welt. Das ist kein Akt, der den Islam repräsentiert“, erklärte Osama. „Die Leute hätten sich nie vorstellen können, dass das hier passiert.“

Der südafrikanische Pilger Qari Ziyaad Patel berichtete ebenfalls, die Explosion sei genau zum abendlichen Fastenbrechen erfolgt und habe sich angehört, als ob das ganze Gebäude zusammenstürze.

Fast zeitgleich mit dem Anschlag in Medina gab es in der im Osten des Landes gelegenen, mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadt Katif einen Selbstmordanschlag. Dort starb den Angaben zufolge nur der Attentäter.

Bereits am frühen Morgen hatte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe des US-Konsulats in der saudischen Stadt Dschidda in die Luft gesprengt. Dabei wurden zwei Sicherheitsmitarbeiter des Konsulats leicht verletzt, wie das saudische Innenministerium laut dem Nachrichtensender Al-Dschasira mitteilte.

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurden demnach in der Nacht zum Montag auf den Mann aufmerksam, der sich auf dem Parkplatz eines Krankenhauses gegenüber des Konsulats aufgehalten habe. Als sie sich ihm näherten, habe er eine Sprengstoffweste gezündet.

Bombenanschläge sind in Saudi-Arabien eher selten. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass es sich um Anschläge der IS-Terrormiliz handeln könnte. Die Dschihadisten hatten sich zu den verheerenden Anschlägen auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul am Dienstag vergangener Woche und in der irakischen Hauptstadt Bagdad in der Nacht zu Sonntag bekannt. Dabei waren außer den Attentätern in Istanbul 45 Menschen und in Bagdad 213 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Mehrere Staaten in der arabischen Welt verurteilten die jüngsten Gewaltakte im Königreich. Die Bluttat vor der Moschee mit dem Grab des Propheten Mohammed im Fastenmonat Ramadan bestätige, dass Terrorismus „weder Religion noch Glauben oder irgendeine Bedeutung von Humanität kennt“, erklärte das ägyptische Außenministerium. Der Generalsekretär der in Saudi-Arabien ansässigen Organisation für Islamische Zusammenarbeit, Ijad Madani, werteten die Anschläge als Versuch, das Königreich zu destabilisieren.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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