Expo 2010
Aufbau Fernost

Olympia war gestern, China werkelt im Eiltempo an der Expo 2010, der größten Weltausstellung aller Zeiten. Dass sich Sponsoren zurückhalten, blenden die Macher aus. Nichts soll den Auftritt auf der großen Bühne stören - auch nicht die Krise.

SCHANGHAI. Schweißfunken sprühen durch die Dunkelheit, tauchen den Tunnel für Sekunden in ein grelles Licht. Die Luft ist voller Staub, von den Wänden tropft Wasser, Hammerschläge dröhnen durch die riesige Betonröhre. Mitten im Schlamm und Lärm steht Liu Yuanbin und sieht ganz zufrieden aus. "Das ist alles Millimeterarbeit hier", sagt der Chefingenieur und versucht, den Krach der Maschinen zu übertönen. "Das ist eines der schwierigsten Projekte in ganz Asien."

Wie ein General auf dem Schlachtfeld steht er auf seiner Baustelle und zeigt auf das Ende des Tunnels. Dort gähnt ein tiefes schwarzes Loch. Der Tunnel liegt direkt unter der historischen Uferpromenade von Schanghai, dem Touristenziel mit seinen berühmten Kolonialbauten. Das Fundament der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude durfte auf keinen Fall beschädigt, eine ganze Brücke musste vor dem Bau des Tunnels verschoben werden. Nächstes Jahr sollen hier Autos fahren.

Liu Yuanbin beugt seinen Oberkörper leicht vor. Was er gleich sagen wird, soll in der großen Röhre nicht unerhört verhallen: "Der Tunnel wird nächstes Jahr zur Weltausstellung fertig sein."

Wer den Bau der Olympiastätten in Peking erlebt hat, zweifelt nicht daran, dass auch Schanghai das Expo-Gelände mitsamt Verkehrsanbindung, Hotels und Flaniermeilen rechtzeitig einweihen wird. Vor allem entlang dem breiten Huangpu-Fluss, der die 20-Millionen-Stadt zerteilt, wird gebuddelt und gebaut. Gigantische Maschinen rammen neue Fundamente in den Boden - als dürfe sich China nach den Olympischen Spielen keine Pause gönnen, als müsse sich Schanghai für die Expo völlig neu erfinden.

Die Erwartungen sind hoch. China will am 1. Mai 2010 eine Expo der Superlative eröffnen - trotz lokaler Parteiskandale und globaler Wirtschaftskrise. Das kommunistische Land will die "aufregendste, unvergesslichste und erfolgreichste" Weltausstellung aller Zeiten bieten.

Und natürlich die größte. Bislang hielt Hannover den Weltrekord. Dort haben sich 183 Länder und Organisationen beteiligt. Am Eingang der Expo-Zentrale in Schanghai prangt ein Schild mit der Zahl 234 - so viele Teilnehmer haben bereits ein Jahr vor der Eröffnung zugesagt.

"Wir liegen voll im Plan", sagt Expo-Generaldirektor Hong Hao ein paar Stockwerke darüber in einem schlichten Konferenzsaal. Doch er räumt ein: "Die Finanzkrise hat Schanghai in einer kritischen Phase der Expo-Vorbereitungen getroffen."

Etliche Sponsoren haben ihre Auftritte bereits deutlich abgespeckt. Allen voran der Siemens-Konzern, einer von 13 "globalen Partnern" der Weltausstellung. Der Münchener Konzern verzichtet auf einen eigenen Pavillon auf dem Expo-Gelände, bleibt aber noch Sponsor. Von den 70 Millionen Besuchern, die die Organisatoren während der sechs Monate dauernden Weltausstellung erwarten, werden 95 Prozent aus der Volksrepublik kommen - rund 66 Millionen potenzielle Kunden. Die will sich Siemens nicht entgehen lassen.

Dagegen zeigen sich andere Weltmarken zurückhaltend, nur der Getränkeriese Coca-Cola ist noch als großer Name mit einem eigenen Pavillon dabei. Das zugesagte Engagement des angeschlagenen Autobauers GM ist dagegen mehr als fraglich. In den 16 für Unternehmen vorgesehenen Expo-Pavillons werden sich daher vor allem chinesische Firmen präsentieren.

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