Exportwirtschaft leidet
China steckt tiefer im Sog als erwartet

Chinas Exportwirtschaft fährt mit voller Wucht gegen die Wand. In den letzten fünf Jahren waren die Exporte Monat für Monat um regelmäßig mehr als 20 Prozent gewachsen – doch seit November schrumpfen die Ausfuhren im Vorjahresvergleich.

PEKING/DÜSSELDORF. Das bestätigte der als notorischer Optimist bekannte Notenbankberater Fan Gang in Peking. Er nannte keine konkrete Zahl, doch wäre es der erste Rückgang seit sieben Jahren. Noch im Oktober waren die Exporte um fast 20 Prozent dynamisch gewachsen.

Die Zeitung "21. Century Business Herald" hatte ohne Quellenangabe berichtet, der Ausfuhrwert sei im November auf 100 Mrd. Dollar gesunken. Wenn sich das bewahrheitet, sieht es schlecht für Chinas Industrie aus: Im Oktober hatte sie noch Waren im Wert von rund 130 Mrd. Dollar im Ausland abgesetzt - vom Export hängen große Teile der Wirtschaft ab.

Laut Notenbankberater Fan zeichnet sich ab, dass die Industrieproduktion im November nur noch um fünf Prozent wuchs. Auch das wäre nach einem Wert von acht Prozent im Oktober ein Beleg, dass Chinas Wirtschaft trotz massiver konjunkturpolitischer Maßnahmen viel stärker in den globalen Abschwung geraten ist als bislang erwartet. Die offiziellen Zahlen werden in den nächsten Tagen vorgelegt.

Chinas Wirtschaft wird laut Weltbank im nächsten Jahr mit 7,5 Prozent so schwach wachsen wie zuletzt vor zehn Jahren. Für westliche Industriestaaten wäre das eine stolze Zahl - doch gerät ein Schwellenland wie China bei Wachstumszahlen unterhalb von sieben Prozent in die Rezession. Bei dieser Rate werden nicht mehr genug Arbeitsplätze für die Millionen nachwachsenden jungen Arbeitskräfte geschaffen, die vom Land in die Städte drängen. Nach Ansicht der Analysten wendet sich Chinas Exportstärke nun gegen das Land. Rund 40 Prozent der gesamten Produktion diene dem Export, sagt Stephen Green, Chefvolkswirt bei Standard Chartered in Schanghai: "Wir schätzen, dass jedes fünfte neue Investmentprojekt in den vergangenen fünf Jahren allein für die Exportproduktion bestimmt war."

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