Extrem junge Bevölkerung
Hintergrund:Demographie und Globalisierung

Indien setzt zum Sprung an die Weltspitze an: Das Land hat gerade Südkorea überrundet und sich damit zur drittgrößten Volkswirtschaft Asiens sowie zur Nummer zehn weltweit aufgeschwungen. Die Berater von KPMG gehen bereits davon aus, dass Indien bis Mitte des Jahrhunderts – nach China – zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigt.

olm DELHI. Die Deutsche Bank sieht das südasiatische Land in fünfzehn Jahren zur Nummer drei weltweit heranwachsen. Sie beziffert das durchschnittliche Wachstum Indiens in dieser Periode auf sechs Prozent pro Jahr. Ideale Demographie, Globalisierungsvorteile und weitere Reformen sollen Indien der Bank zufolge erlauben, China ab 2015 den Rang als weltweiter Wachstumsstar abzulaufen.

Bislang hatte China den deutschen Managern und Politikern lange die Sicht auf Indien verstellt. Doch zunehmend nennen auch sie beide Länder in einem Atemzug. „Indien gewinnt außerordentliche Bedeutung für die Weltwirtschaft“, erkannte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bei einem Besuch in Delhi. Im „dramatischen“ Heranwachsen der asiatischen Riesen China und Indien sieht er eine „Frage von existentieller Bedeutung“ für Europa. „Ein alterndes Deutschland wird Indien bald mehr brauchen als umgekehrt,“ erklärte auch Clements Kontrahent Edmund Stoiber nach einer Reise durch das Land. Den Trend haben nun offenbar auch die deutschen Unternehmen erkannt.

Indiens Demographie zählt zu seinen strukturell wichtigsten Wachstumsfaktoren. Über die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25, nur fünf Prozent im Rentenalter. Anders als in China, dem schon bald ähnliche Überalterung droht wie Europa, wird Indiens Pool von Arbeitskräften bis 2020 um 250 Millionen anschwellen. Weil sich das Land schnell in die Weltwirtschaft integriert, wird dies den globalen Wettbewerb um Jobs schüren. Der rasante Zuwachs von jungen, oft gebildeten Arbeitskräften und neuen Konsumenten ist ein wichtiges, aber kein ausreichendes Kriterium für eine lange Periode von Hyperwachstum.

Damit das Potenzial der Alterspyramide voll zum Tragen kommt, sind Reformen nötig, die mehr Beschäftigung schaffen, vor allem in der verarbeitenden Industrie. Als Hauptbremsen dafür zählt Saumitra Chaudhuri, Wirtschaftsberater von Premier Manmohan Singh, die marode Infrastruktur, das schwache Gesundheitssystem, unzureichende Grundschulbildung und ein rigides Arbeitsrecht. Aber der Druck einer wachsenden, jungen Bevölkerung werde jeder Regierung früher oder später Beine machen. „Das Volk verlangt ein besseres Leben,“ sagt Chaudhuri. Der einzige Weg dazu sei die Beibehaltung des 1991 eingeschlagenen Liberalisierungskurses.

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