EZB
Bini Smaghi verteidigt Anleihekäufe

Das Führungsmitglied in der EZB Bini Smaghi hat sich deutlich gegen Prinzipienreiterei bei Bondkäufen ausgesprochen. Liquiditätsprobleme dürften nicht zu Solvenzproblemen werden.
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RomEZB-Führungsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hat sich in scharfem Ton gegen Kritik an den Bondkäufen der Zentralbank verwahrt. Ein Großteil der Einwände sei das Ergebnis „unzureichender ökonomischer Analyse“, sagte das Direktoriumsmitglied am Donnerstag in Rom. Die Kritik zeuge zudem oft „von nicht ausreichender Kenntnis der Krise, in der wir uns befinden“. Bei den Ankäufen am Sekundärmarkt gelte es zu verhindern, dass aus einem Liquiditätsproblem am Staatsanleihenmarkt ein weit reichendes Solvenzproblem entstehe, betonte Bini Smaghi.

Der Staatsanleihenmarkt nehme eine Schlüsselrolle für das Funktionieren der Finanzmärkte insgesamt ein. Mit EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hatte jüngst ein ausgewiesener Kritiker der Zentralbank-Intervention am Sekundärmarkt seinen Rücktritt angekündigt und damit die Debatte um die Bondkäufe neu entfacht. Stark moniert, dass die Grenze zwischen Geld- und Finanzpolitik verwischt werde.

Die EZB hat bereits Staatsanleihen von klammen Euro-Schuldenländern wie Irland, Portugal, Griechenland, Spanien und Italien im Gesamtvolumen von 143 Milliarden Euro aufgekauft. Sie begründet das umstrittene Geschäft mit der Stabilisierung der Märkte, drückt aber de facto die Refinanzierungskosten der Schuldenstaaten.

Bini Smaghi rügte mit Blick auf die Kritik an den Käufen das Festhalten an alten Denkmustern: „Wir können uns nicht hinter Prinzipien und Regeln verschanzen, die für eine theoretische Situation geschaffen wurden, die der Realität nicht mehr gerecht werden.“ Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass die EZB mit den Ankäufen ihr Ziel der Preiswertstabilität untergraben habe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB: Bini Smaghi verteidigt Anleihekäufe"

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  • Ich hatte tatsächlich auch nur das Wort "Mafia" vor Augen, als ich den Artikel las...

  • "Bini Smaghi rügte mit Blick auf die Kritik an den Käufen das Festhalten an alten Denkmustern: „Wir können uns nicht hinter Prinzipien und Regeln verschanzen, die für eine theoretische Situation geschaffen wurden, die der Realität nicht mehr gerecht werden.“ Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass die EZB mit den Ankäufen ihr Ziel der Preiswertstabilität untergraben habe."

    Preiswertstabilität bei einer jährlichen Inflationsrate von 2,5 % ????

    Zumindest ist Bini Smaghi aber ehrlich in dem er zugibt, dass ihn Verträge und Regeln einen Dreck scheren. Die Regeln macht die EZB, beziehungsweise die Mafiosi der EZB.

  • "Bei den Ankäufen am Sekundärmarkt gelte es zu verhindern, dass aus einem Liquiditätsproblem am Staatsanleihenmarkt ein weit reichendes Solvenzproblem entstehe, betonte Bini Smaghi"

    Bin Smaghi lügt das selbe Märchen, dass man uns schon bei GR verkaufen wollte, nämlich dass es sich nur um eine Liquiditätskrise handelt. Und genau, um solche Lügen und die daraus folgende irrationale Politik zu verhindern, dafür gibt es die Maastricht-Regeln, die eben gerade jetzt, da sich die Politiker mittels Gelddrucken um die politischen Probleme drücken wollen, hochaktuell und nicht Prinzipienreiterei von gestern ist.

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