EZB-Chefvolkswirt
Coeuré wird aussichtsreicher Kandidat

Der Wettbewerb ist eröffnet: Paris schickt Benoît Coeuré ins Rennen für die Position des EZB-Chefvolkswirt. Der renommierte Finanzexperte hat eine steile Karriere in Politik und Wissenschaft hingelegt. Ein Porträt.
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ParisDer deutsche Top-Fachmann in Sachen Finanzen, Jörg Asmussen, hat einen starken Konkurrenten bekommen: Um den Posten des Chefvolkswirts bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bewirbt sich auch der Franzose Benoît Coeuré. Der 42-jährige Chefvolkswirt des französischen Finanzministeriums gilt als aussichtsreicher Kandidat für die EZB-Position, die bislang immer ein Deutscher innehatte.

Paris soll angeblich gezielt nach einem herausragenden Finanzexperten gesucht haben, der dem deutschen Finanzstaatssekretär den Posten streitig machen könnte. Coeuré gilt als ausgewiesener Experte für internationale Währungs- und europäische Wirtschaftsfragen und lehrt dazu auch an der Universität. Als Nummer Zwei des französischen Schatzamtes, das für die Staatsschulden und die Staatskasse zuständig ist, hat er eine steile Karriere hingelegt.

Coeuré hat, wie viele hochrangige Politiker und Beamte in Frankreich, nicht nur einen Eliteuni-Abschluss. Er studierte an der Ingenieurshochschule Polytechnique und an der Statistik-Hochschule Ensae. Außerdem hat er einen Abschluss in Japanisch und gilt als ausgewiesener Kenner der japanischen Kultur.

Seine Laufbahn begann Coeuré als Ökonom beim französischen Statistikamt Insee. Danach stieg er im französischen Finanzministerium schnell auf, wurde erst Vize und dann Chef der französischen Agentur für Staatsschuldtitel. Später wurde er Abteilungsleiter im Schatzamt sowie Ko-Präsident des Pariser Clubs, der sich um die Umschuldungen von Staaten weltweit kümmert.

Danach stieg er 2009 zur Nummer Zwei des Schatzamtes sowie zum Chefvolkswirt im französischen Finanzministerium auf und wurde zum wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater der damaligen Finanzministerin Christine Lagarde, die inzwischen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist. Zuletzt war Coeuré führend an der Arbeitsgruppe zur internationalen Währungsreform der französischen G-20-Präsidentschaft beteiligt.

Parallel zu seiner Karriere im Finanzministerium verfolgte Coeuré seine akademische Laufbahn weiter. Er unterrichtet und forscht an der renommierten Sciences Po. Zudem ist er Mitglied eines einflussreichen ökonomischen Zirkels. Zahlreiche Bücher und Artikel publizierte der 42-Jährige bereits, der politisch eher Mitte-Links eingeordnet wird. So plädierte er für eine nachhaltige Wachstumsstrategie, die auch den sozialen Ausgleich nicht aus dem Auge verliert.

Bisher war die Bundesregierung davon ausgegangen, dass ihrem Kandidaten Asmussen der Posten des EZB-Chefvolkswirts praktisch sicher ist. Nun schlagen die Franzosen eine andere Funktion für den deutschen Top-Experten vor: Asmussen könne andere Zuständigkeiten übernehmen, „beispielsweise das Internationale“, heißt es unter europäischen Diplomaten. „Benoît Coeuré hat ganz klar die Kompetenzen und das Profil für den Posten des Chefvolkswirts.“ Nur mühsam konnten Berlin und Paris am Dienstag beim EU-Finanzministertreffen ihren Konflikt verbergen. Am Ende stand immerhin eine gemeinsame Erklärung, in der auf die Unabhängigkeit der EZB verwiesen wird. Beide vertrauen nun darauf, dass EZB-Präsident Mario Draghi weiß, „was am besten ist für die EZB“.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Chefvolkswirt: Coeuré wird aussichtsreicher Kandidat"

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  • Mann sollte den unabhängigen Herren bei der EZB einfach mitteilen, dass sie ab sofort ihre Probleme unter sich lösen können. Und vor allem ohne deutsche Beteiligung und deutsche Bonität. Wenn unsere Politdeppen sich das widerstandslos gefallen lassen, sind wir endgültig geliefert. Ich sag nur, raus aus dem Euro! Man denkt, es könne nicht mehr schlimmer kommen, aber muss sich jeden Tag aufs Neue vom Gegenteil überzeugen.

  • Das ganze spiegelt die Unprofessionalität des Bundesfinanzministeriums wider.

  • Das ganze spiegelt die Unprofessionalität des Bundesfinanzministeriums wider.

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