_

EZB: Die Nacht der verlorenen Unschuld

Noch immer ist es die Nacht der großen Rätsel. Was genau an jenem 7. Mai geschah, als die EU-Staats- und Regierungschefs und die Notenbanker den Rettungsfonds beschlossen, ist nach wie vor unklar.

Die Euro-Skulptur vor dem EZB-Gebäude: Beherzt eingegriffen, um die Währungsunion zu retten. Quelle: dpa
Die Euro-Skulptur vor dem EZB-Gebäude: Beherzt eingegriffen, um die Währungsunion zu retten. Quelle: dpa

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Fest steht: Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist seither nichts mehr, wie es einmal war. Sie tut seither Dinge, die sie nie tun wollte - und auch nicht durfte: Sie kauft Staatsanleihen der Wackelkandidaten auf.

Anzeige

Was war geschehen? Ab dem 7. Mai liefen wichtige Finanzmärkte im Euro-Raum völlig aus dem Ruder. Die Risikoaufschläge an einigen Anleihemärkten drohten auszureißen. Bei den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen machte sich Panik breit. Griechenland war praktisch zahlungsunfähig - und auch für Spanien, Irland und Portugal war die Refinanzierung über den Kapitalmarkt nur noch begrenzt möglich. Man fürchtete einen Dominoeffekt, das Überleben des Euros war in Gefahr.

Im EZB-Rat ging es hoch her an jenem Wochenende. Bundesbankpräsident Axel Weber und EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark wollten den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB und den damit verbundenen Bruch des Maastrichter Vertrags zunächst nicht mittragen, lenkten dann aber doch ein.

Bislang hat die Notenbank Bonds im Volumen von 61,5 Milliarden Euro gekauft. Auch künftig wird sie - wenn nötig - Liquiditätshilfen für Banken leisten, sie wird auch weiter Staatsanleihen aufkaufen, wenn die Märkte versagen. So früh wie möglich möchte sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet aber wieder seiner eigentlichen Aufgabe, der Sicherung der Preisstabilität, widmen. Deshalb drängt er die Regierungschefs, rasch "den besten Weg für die Finanzierung eines Sicherheitsnetzes zu finden". Und fordert von der Politik, eine tragfähige Lösung für die Strukturprobleme im Euro-Raum zu suchen.

Aber es bleiben Fragen offen. Vielleicht wären die Spreads tatsächlich explodiert, wenn die EZB den Märkten ihre Hilfe versagt hätte. Vielleicht hätte es aber auch noch andere Möglichkeiten gegeben, mit der Situation umzugehen. Manfred J.M. Neumann etwa, Wirtschaftsprofessor in Bonn, fragt sich, warum man damals nicht einfach die Märkte vorübergehend geschlossen habe, statt sich in übereilte Aktionen treiben zu lassen.

Der Makel, vertragswidrig Staatsanleihen gekauft zu haben, wird der EZB für alle Zeiten anhaften. Die Notenbanker reden sich damit heraus, dass sie den Betrag "sterilisieren", ihn also wöchentlich wieder vom Geldmarkt abziehen. Doch Skeptiker bezweifeln, dass sich die EZB das bei anhaltender Krise leisten kann - zu viel stehe auf dem Spiel.

  • 29.10.2010, 00:22 UhrAnonymer Benutzer: Monika Unger

    ich glaube auch, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dass ganze zu inszenieren.

    Keiner rechnet jetzt damit. Auch nicht die Lobbyisten und Wirtschaftsbosse. Somit ist deren Macht gleich einmal geschrumpft.

    Denn Rest werden wir den betrügern von bilderbergern dann enteignen und dem allgemeinen Wohl zu führen.

    Ja, lieber David Rockefeller, ganz wird es nicht hinhauen mit deiner Neuen Weltordnung. Aber deine Freunde, wie Clinton, bush, Obama, George Soros, bill Gates usw. werden dich schon trösten und mit dir gemeinsam weinen. Denn keiner will deine verseuchten impfungen und keiner will deinen RFiD-Chip. Wie krank könnt ihr Typen nur sein? ihr seid der Terrorismus dieser Welt. Wenn es euch nicht geben würde, dann könnte diese Welt, in Freiheit, Sicherheit, Unabhängigkeit, Frieden, Wohlstand und Glück leben.

    lg
    monika



  • 02.10.2010, 22:37 UhrAnonymer Benutzer: James

    Die Märkte kurzzeitig dichtmachen? in der Theorie eine gute Lösung, in der Praxis scheitert es: Denn das Volk hätte dann gemerkt, dass etwas mit unserem Geldsystem nicht stimmt und dass es von der "Elite" seit 1973 verarscht wurde (Ende des bretton Woods Systems). Politiker kennen nur einen Weg: Verzögerungstaktik.

  • 01.10.2010, 14:52 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke

    Was genau an jenem 7. Mai geschah, als die EU-Staats- und Regierungschefs und die Notenbanker den Rettungsfonds beschlossen-
    -----
    Gute Frage. Manche wissen die Antwort, darunter auch Normalbürger- also nicht Journalisten, die ja bekanntlich immer an der Quelle sitzen.
    Sollten da etwa wenige interessierte bürger noch näher dran sitzen? Kann ich mir nicht vorstellen und ich denke- die Medien wissen es genau.
    Vielen - vielleicht auch nur Wenigen- ist längst bekannt, was da war. Sie stellen diese Frage etwas spät.Für Aufklärung wäre die Presse zuständig, der bürger nimmt Vorgänge -die infos- zur Kennntis und hält den Mund.
    Wir wissen doch alle: Was die Politiker morgens sagen - ist einen Tag später schon als Lüge entlarvt. Nicht anders war es doch an diesem besagten Tag-7. Mai-- oder das berühmte Wo.-WE. Sept. - Okt. 2008. Weitere solche Daten werden noch kommen- wo die Lunte brennt. Vielleicht können dann die Medien schneller zum brandherd kommen, bevor alles vertuscht ist. Was dann von berlin aus verkündet wird, fällt unter die Kategorie-"MÄRCHEN".
    Eigentlich bräuchten die noch eine speziell dafür zuständige Person- den "MÄRCHENERZÄHLER".

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International