EZB-Direktor Coeure: Bankkunden sollen nicht für Zypern bluten

EZB-Direktor Coeure
Bankkunden sollen nicht für Zypern bluten

EZB-Direktor Benoit Coeure will Bankkunden in Zypern nicht für die Rettung des Finanzsektors bluten lassen. Ein paar Hintertürchen bleiben aber offen. Die Zeit drängt: Zypern hat nach eigenen Angaben noch Geld bis Mai.

Frankfurt/NikosiaBei einer Rettung des angeschlagenen Zyperns dürfen nach Ansicht von EZB-Direktor Benoit Coeure Bankkunden nicht generell bluten. Er lehne es ab, dass alle Kontoinhaber pauschal einen Beitrag zur finanziellen Hilfe für den Inselstaat leisten sollten, sagte der französische EZB-Topbanker in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit Reuters.

Ein solches „Bail-in"-Modell, das Privatkunden im Rahmen einer Rettungsaktion Verluste aufbürden würde, wird Insidern zufolge in einigen Staaten der EU bereits durchgespielt - darunter auch in Deutschland. „Ich würde ein allgemeines 'Bail-in' aller Kontoinhaber nicht als Teil der Lösung sehen", betonte Coeure. Wenn alle Einlagen pauschal herangezogen würden, wäre dies seiner Ansicht nach "ein Risiko für die Finanzstabilität".

Allerdings ließ sich Coeure ein Hintertürchen für eine abgespeckte „Bail-in"-Variante offen. Auf die Frage, ob eventuell Einlagen ab einer Summe von mehr als 100.000 Euro herangezogen werden könnten, sagte Coeure: „Ich beurteile keine Instrumente voreilig, denn es kommt auf die Wortwahl an. Es gibt viele Wege, für eine Lastenverteilung zu sorgen." In der Diskussion um eine Rettung Zyperns ist die Forderung aufgekommen, dass auch die Aktionäre und Sparer der zyprischen Banken einen Teil der Last tragen sollten.

Rund ein Drittel der Einlagen in Zypern halten ausländische Konteninhaber - darunter viele Russen und Briten. Ein Modell für ein „Bail-in" sieht vor, alle Sparkonten über der in der EU geltenden Garantiesumme für Einlagen von 100.000 Euro einzufrieren und das Geld auf ein Sperrkonto zu transferieren. Es soll dort zu möglichst niedrigen Zinsen 15 bis 30 Jahre geparkt werden und beispielsweise zur Stärkung der Kapitalbasis der Banken beitragen.

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Zypern ist noch bis Mai ausreichend finanziert

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