EZB-Notenbanker
Asmussen mahnt Sparkurs in Griechenland an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Griechenland aufgefordert, den Sparpakt einzuhalten. Einen anderen Weg gibt es für EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen nicht. Und Erleichterungen soll es keine geben.
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AthenEZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat Griechenland gewarnt, in der Hoffnung auf Lockerungen bei der Verfolgung der vereinbarten Anpassungen nachzulassen. Die neue Regierung sollte keine Zeit mit solchen Überlegungen vertun, und sich mit aller Kraft darauf darauf konzentrieren, die Reformen so wirksam wie nur möglich umzusetzen, sagte Asmussen in Athen. "Die neue Regierung hat mit einer ausreichenden Mehrheit im Parlament die Möglichkeit, dies gleich vom Tage eins (ihrer Amtszeit) an zu tun", sagte Asmussen, damit das Programm der Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro für die Jahre 2013 und 2014 stehen könne.

Eine Verschiebung des Zeitplans für die vereinbarten Maßnahmen und Reformen würde neue Risiken bringen und weitere Hilfsgelder erfordern. Parallel müssten ein neues Steuergesetz gebilligt, die geplanten Privatisierungen schnell durchgeführt und weitere Reformen im Arbeitsmarkt durchgeführt werden, riet Asmussen den Griechen.

Das Einhalten des Sparpakts sei die „einzige Lösung“ für das hochverschuldete Land, so Asmussen. Er bemerkte, dass das Sparprogramm bislang in Griechenland keine Ergebnisse gezeigt hat. Dies jedoch liege daran, dass „es nicht richtig in die Tat umgesetzt wird“, hieß es. Dies gelte besonders für die vergangenen drei Monate wegen der zwei Parlamentswahlen.

"Das Vertrauen in der Euro-Zone wiederherzustellen ist, natürlich, momentan die noch größere Herausforderung als die Lösung der Griechenland-Krise", sagte Asmussen laut Text. Spanien könne selbst etwas für die Rückgewinnung von Vertrauen tun, indem das Land einen Rekapitalisierungsplan für seine Banken vorlegt, der jegliche Zweifel an deren Zahlungsfähigkeit ausräumt. Irland und Portugal seien im Übrigen auf gutem Wege bei der Umsetzung ihrer Reformzusagen.

Am Wochenende hatte Asmussen Athen Entgegenkommen beim Sparprogramm signalisiert. Es könne über einzelne Bedingungen gesprochen werden, von den grundsätzlichen Vorgaben dürfe aber nicht abgewichen werden, sagte er der Athener Zeitung „Kathimerini“.



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  • Wirklich lächerlich, was Assmusen, aber auch die Politikerkaste da von sich gibt. Vertrauen in den Euro kann nur geschaffen werden, wenn man Griechenland aus dem Euro wirft. Die wenigen Sparbemühungen, die man Griechenland abverlangt hat und die dieses Land immer noch nicht bereit ist, umzusetzen, werden die Investoren niemals anlocken. Bis jetzt hat Griechenland seine Verfassung noch nicht dahingehend geändert, um diverse Steuerschlupflöcher zu stopfen und Privilegien abzubauen. Merkel blendet, wenn sie behauptet, es gibt nur Leistung für Gegenleistung. Griechenland hat keinerlei Auflagen erfüllt, die versprochene Beamtenreduzierung wurde über die Hintertür wieder rückgängig gemacht.
    Merkels größter Irrtum ist ihr Glaube an ein Zerbrechen des Euro, wenn Griechenland aus dem Euro-Raum austritt, das wird mitnichten der Fall sein, er würde eher gestärkt daraus hervorgehen und alle anderen notleidenden Staaten würden mit Hochdruck an Strukturreformen arbeiten, um dem Schicksal Griechenlands zu entgehen!
    Die Bundeskanzlerin muss endlich begreifen, dass man nicht bis nach den Wahlen in den USA in Griechenland Geld versenken darf. Die griechische Elite muss internationalen Druck durch die Finanzmärkte zu spüren bekommen, sodass sie keine Gelegenheit mehr dazu hat, mit dem Finger auf Deutschland zu zeigen!

  • Ich glaube der Herr leidet an Wahrnehmungsstörung. Solange die Ursachen nicht bekämpft werden, und das will man offensichtlich nicht, können sich die kleinen Länder in der EU zu „Tode sparen“ das Geld verschwindet im Nirwana der weltweiten deregulierten Finanzmärkte und den Steueroasen dieser Welt.
    Denn die Deregulierung der letzten 10 Jahre hat doch erst zu der hohen Verschuldung geführt. Schon vergessen, 2007/08 Finanzkrise/Lehmann Pleite? In den USA wurden bisher über 60 Verantwortliche aus der Finanzbranche angeklagt und verurteilt. Über 200 Milliarden mussten Banken bisher an Strafen zahlen. Der Schweiz wurde unmissverständlich klar gemacht, Kooperation mit den Behörden. Und Europa? Da wird lieber gegen kleine Länder Stimmung gemacht, über die Ursachen liest und hört man fast nichts mehr. Warum eigentlich nicht?
    Viele Länder in der EU, standen vor der Finanzkrise viel besser da, als Deutschland. Erst die Finanzkrise hat diese Länder in Schwierigkeiten gebracht. Die kleinen Länder können sich nur noch zu Wucherzinsen refinanzieren, weil Solidarität nur für Deutschland zu gelten hat. Deutschland dagegen macht hunderte von Millionen Gewinne, weil Deutschland sich zu negativ Zinsen refinanzieren kann. Also Deutschland profitiert noch von der Schwäche anderer Länder. Sieht so Solidarität aus?
    Darum glaube ich, Deutschland ging es bei der Euroeinführung nicht um Solidarität, sondern um maximale Gewinne ohne Rücksicht auf Verluste. Solange man zu Lasten anderer Länder Überschüsse erwirtschaften konnte und kann, ist aus deutscher Sicht alles in Ordnung. Jetzt wo die Einschläge immer näher kommen und die Fehler immer deutlicher werden, nimmt man die Schwächsten in der EU, die sich ja nicht mehr wehren können, und macht die zu Sündenböcken?

  • Wie lautete doch schon einmal der Refrain eines Landserliedes, das zu einem Symbol für das Feindbild gegenüber den Deutschen in nahezu der ganzen Welt wurde: „Wir werden weiter marschieren / Wenn alles in Scherben fällt, / Denn heute da hört uns Deutschland/ Und morgen die ganze Welt „ (oder wenigstens ganz Europa).

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