EZB-Präsident
Trichet zerpflückt Krisenpolitik der Wirtschaftsmächte

EZB-Präsident Trichet ist es leid, sich ständig wegen seiner aggressiven Krisenpolitik kritisieren zu lassen. Jetzt holt er zum Gegenschlag aus und zerpflückt das Krisenmanagement der führenden Volkswirtschaften.
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BerlinDer scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat mit eindringlichen Worten die führenden Wirtschaftsmächte der Welt aufgerufen, sich einer Verschärfung der weltweiten Staatsschuldenkrise entgegenzustellen. „Wir erleben gegenwärtig die schwerste globale Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, sagte Trichet am Donnerstag in den ARD-„Tagesthemen“. Die weltweit führenden Volkswirtschaften müssten daher „ihre Strategien überprüfen“. „Das gilt für die USA, das gilt für Japan, und das gilt auch für Europa“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank.

„Unsere europäischen Probleme hängen nicht so sehr mit unserer Währung zusammen“, sagte Trichet. Der Euro sei „nach wie vor eine glaubwürdige und stabile Währung“, für die Finanzsysteme gebe es jedoch „nicht genügend Kontrollmaßnahmen“. „Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen“, sagte der EZB-Chef.

Trichet hatte zuvor in Berlin zwei Sonderprogramme zur Versorgung der europäischen Banken mit frischem Geld angekündigt und angesichts der aktuellen Situation des Bankensektors zu „besonderer Wachsamkeit“ gemahnt. Zudem kündigte er an, dass die EZB zwischen November 2011 und Oktober 2012 Staatsanleihen für insgesamt 40 Milliarden Euro aufkaufen wolle.

Trichet nahm in Berlin auch an einem hochkarätig besetzten Wirtschafttreffen teil mit Vertretern von Weltbank, Internationalem Währungsfonds (IWF), EZB und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Merkel machte dabei unmissverständlich deutlich, dass sie taumelnden europäischen Banken  notfalls rasch mit frischem Kapital unter die Arme greifen wolle. Damit solle eine Bankenkrise wie 2008 abgewehrt werden, machte sie nach dem Treffen deutlich. Zugleich will die Kanzlerin den weltweiten Kapitalfluss schärfer kontrollieren und regulieren.

Damit soll das internationale Währungssystem „stabiler und widerstandsfähiger“ gemacht werden. Vorschläge dazu würden dem G20-Treffen am 3. und 4. November in Cannes vorgelegt, sagte Merkel. Damit werde die Arbeit aber noch nicht beendet sein. Man brauche ein „gemeinsames Verständnis im Umgang mit Kapitalströmen“, sagte sie.

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Trichet zerpflückt Krisenpolitik der Wirtschaftsmächte

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Merkel will auf Expertenratschläge hören

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Barroso mit eigenem Bankenrettungsplan

Kommentare zu " EZB-Präsident: Trichet zerpflückt Krisenpolitik der Wirtschaftsmächte"

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  • Da bekommt die EZB ja gleich wieder verstärkt was zu tun:

    FITCH senkte nach Börsenschluß das Kreditrating von ITALIEN auf A+ ab mit negat. Ausblick und Bemängelung des unzureichenden Verhaltens der Regierung in der Krise,die sich verschärft habe,

    ebenfalls SPANIEN auf AA- , zwei Stufen niedriger als bisher, der Ausblick negativ angesichts des schwachen Wachstums.


    und das wird so weiter gehen .......

  • @ Laokoon – Begreifen Sie doch! Wettbewerb findet in realen Preisen statt! Der Taschenspielertrick der Abwertung hat niemals und nirgendwo dauerhaft zur Verbesserung der Wettbewerbsfaehigkeit gefuehrt. Abwertungen erfolgen meistens in Serie und setzen eine Inflationsspirale in Gang. Festes Geldeinkommen und nominales Geldvermoegen werden gepluendert. Der Staat als groesster Schuldner von nominalen Kreditbetraegen ist der groesste Pluenderer.

  • Haben Sie es immer noch nicht verstanden ?

    Banken (und Andere) haben DEM STAAT Geld gegeben, damit der all die guten Sachen tut, die Sie und die Klientel von Parteien und Gewerkschaften gerne sehen.

    Und jetzt stellt sich DER STAAT hin und fordert Verzicht auf die ihm gegebenen Gelder. Das ist so, als ob IHRE Sparguthaben, Lebensversicherungen, Sichtguthaben, Bundesschatzbriefe vom Staat entschädigungslos kassiert werden.

    Was soll das mit "Regulierung der Banken" zu tun haben ?

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