EZB-Rat billigt zentrale Abwicklungsplattform
Für Großzahlungen fallen die Grenzen

Der einheitliche Zahlungsverkehrsmarkt in der Europäischen Union (EU) rückt in greifbare Nähe. Anfang 2007 will die Europäische Zentralbank (EZB) nach eigenen Angaben die Neuauflage des Zahlungssystems Target in Betrieb nehmen.

HB FRANKFURT/M. Dann wird nicht mehr in nationale und grenzüberschreitende Großzahlungen unterschieden; es gibt nur noch Intra-EU-Zahlungen zu einem einheitlichen Preis. Um den Termin einzuhalten, ist allerdings Eile geboten. Anders als ursprünglich geplant, hat der EZB-Rat am 22. Juli nämlich nicht das Gesamtprojekt, sondern nur das technische Konzept von Target 2 abgesegnet. Vor allem die Kosten sind noch offen. Davon machen einzelne Notenbanken jedoch ihre Teilnahme abhängig. Jetzt soll die endgültige Entscheidung bis zum Jahresende fallen.

Target ist der von den EU-Notenbanken betriebene Verbund der nationalen Großzahlungssysteme. Das weltweit größte Zahlungssystem ist Target schon heute. Zumindest dem Volumen nach schlägt es sein US-Pendant „Fed Wire“. Im Tagesdurchschnitt bewältigt es Zahlungen über insgesamt 1 700 Mrd. Euro. Aber Target gilt als technisch nicht optimal, intransparent und teuer. Für 16 Einzelsysteme fallen Kosten an.

Der Beschluss zur Modernisierung des „transeuropäischen automatischen Echtzeit-Brutto-Express- Zahlungsverkehrssystems“ war im EZB-Rat schon im Herbst 2002 gefallen. Die Bundesbank plädierte für eine technische Konsolidierung. Als zentrale Abwicklungsplattform hätte sie den übrigen Notenbanken gerne das deutsche System RTGS plus verkauft. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen. Erstens hatte Italien ein ähnliches System, angeblich vom deutschen abgekupfert. Zweitens „ist auf Europa-Ebene die Neigung gering, ein nationales System einfach zu übernehmen“, wie ein Notenbanker sagt.

Der EZB-Rat hat lange überlegt, ob ein zentrales oder dezentrales System zweckmäßiger sei und sich für eine Mischung entschieden: Die technische Infrastruktur für die 26 EU-Notenbanken wird zentralisiert. Sie behalten aber die Verantwortung für die Geschäftsbeziehungen zu den Banken. Die Bundesbank, die Banque de France und die Banca d’Italia haben sich gemeinsam als Entwickler und Betreiber einer zentralen technischen Plattform beworben und mangels anderer Angebote den Zuschlag erhalten. Die neue Plattform wird dem deutschen RTGS plus sehr ähnlich sein.

Um den gestiegenen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden, wird es in zwei Euro-Ländern Bearbeitungszentren geben, die im Turnus von sechs Monaten die Abwicklung übernehmen. Jedes der Bearbeitungszentren hat im Abstand von rund 100 Kilometern einen Ausweichstandort, der vollständig übernehmen könnte. Die Standorte werden streng geheim gehalten.

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