EZB-Ratsmitglied Asmussen
Zinsen könnten noch weiter sinken

Noch nicht am Ende aller Möglichkeiten sieht Jörg Asmussen den Handlungsspielraum der EZB: Eine weitere Lockerung der Geldpolitik schließt er nicht aus. Auch einen negativen Einlagenzins zieht er in Erwägung.
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Frankfurt/OsnabrückDas deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat die jüngste Zinssenkung im Euroraum verteidigt und eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen. „Je nachdem, wie sich die Inflation entwickelt, sind wir beim Zinssatz noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten“, sagte Asmussen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Die Inflation im Euroraum war im Oktober überraschend deutlich auf 0,7 Prozent und damit den tiefsten Stand seit vier Jahren gesunken. Daraufhin senkten die Währungshüter den Leitzins um 0,25 Punkte auf das Rekordtief von 0,25 Prozent.

Auch einen negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken schloss Asmussen nicht gänzlich aus: „Ich wäre mit einem solchen Schritt sehr vorsichtig, da er hohe Signalwirkung hätte.“ Ziel der Maßnahme, mit der Banken für Einlagen bei der Notenbank bezahlen müssten, wäre, dass die Institute das Geld statt zu parken als Kredite vergeben. Erfahrungen etwa in Dänemark haben aber gezeigt, dass die Geldhäuser stattdessen die Kosten für die Einlagen an ihre Kunden über höhere Kreditzinsen weitergeben. Und das wäre kontraproduktiv.

Asmussen betonte, dass die Zinssenkung im November nicht von allen Ratsmitgliedern mitgetragen wurde. Er selbst verteidigte den Schritt aber: „Ich würde nicht infrage stellen, dass es die Notwendigkeit gab zu handeln, um unser Ziel der Preisstabilität sicherzustellen.“ Die EZB strebt eine Jahresteuerung knapp unter 2 Prozent an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Ratsmitglied Asmussen: Zinsen könnten noch weiter sinken"

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  • "Die Zinsen könnten noch weiter sinken" - Ha, da hat der Herr Asmussen ja gut aufgepasst, rein rechnerisch können die Zinsen noch um genau 0,25 Prozent sinken. Dann ist Schluss, denn negative Zinsen machen eigentlich keinen Sinn (obwohl die Realzinsen bereits seit langem neg. sind!).
    Realwirtschaftlich macht es kaum einen Unterschied ob nun es nun 0,25 Prozent oder oder O Prozent sind.
    Das Geld wird ja nicht für die Wirtschaftssubjekte billiger, sondern nur für die Banken.
    Und auch viele Banken wird der Nullzins nicht retten, dafür etliche Versicherer näher an den Rand der Pleite bringen..
    An der Person von Herrn Asmussen sieht man deutlich, was passiert, wenn die Politik Einfluss auf die Linie der Zentralbank zu nehmen versucht (Herr A. ist Wunschkandidat der SPD und diente unter Herrn S. als Finanzstaatssekretär). Die Vetreter der Stabilitäts-kriterien, Weber, Stark haben mittlerweile das sinkende Schiff verlassen.
    Dass uns diese Politik zu einer Gesundung oder gar zu einer Normalität zurückführt glauben nur sehr naive Geister. Rette sich wer kann, möcht man da fast rufen.

  • Ich stimme Ihnen zu, daß die Geldpolitik der EZB die strukturellen Probleme innerhalb der Eurozone nur kaschiert und den Staatsbankrott der südlichen EURO-Mitgliedsländer damit nur hinausschiebt.

    Durch das Bürgschaftsversprechen der EZB im Notfall unter dem OMT Programm unbegrenzt Staatsanleihen strauchelnder Mitgliedsländer mit Steuergeldern aufzukaufen, gewährt man den südlichen Staaten Kredite, die sie am öffentlichen Kapitalmarkt aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und Überschuldung nicht erhalten würden.

    Man begibt sich damit in eine Situation, die bei steigenden Inflationsraten in der Eurozone ein Anheben des Leitzinses in Zukunft gar nicht mehr erlauben wird, da die Süd-Länder Refinanzierung und Zinszahlungen zu erhöhten Konditionen gar nicht leisten könnten.

    Der deutsche Steuerzahler und Sparer wird am Ende mit seinen Mitteln für die Fehler dieser Politik einstehen müssen und für die verlorenen Forderungen aufkommen müssen.

    Es bleibt nur zu hoffen, daß am Ende nicht auch Deutschland durch die übernommenen Verpflichtungen an den Rand des Staatsbankrott gebracht wird mit allen damit verbunden Folgen (leere Rentenkassen wie in Griechenland usw.).

  • Bald kommt der Tag wo das Geld verschenkt wird und Banken
    Nein Danke sagen, weil kein Platz mehr im Tresor ist.

    Mein Vorschlag allen Menschen in Europa die so hoch verschuldet sind , dass sie nie mehr davon befreit werden,
    einfach entschulden. Also wie die Staaten, nur das dann der Konsum wieder massiv ansteigt.

    Aber auch ich Glaube das Europa von der Finanzmafia aufgegeben wird und Europa sich auf den Strassen zerfleischt. Das billige Geld wird außerhalb Europas angelegt bis Europa eines Tages sich neu aufbauen muss. Dann gibt man wieder Geld für bis zu 10 -15% Zinsen.

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