EZB-Rettungspläne
Hollande schlägt sich auf Draghis Seite

Frankreichs Präsident Hollande unterstützt EZB-Chef Draghi bei seinen Plänen, Anleihen von Krisenstaaten zu kaufen. Die Maßnahme sei geldpolitisch gerechtfertigt, sagte Hollande. Spanien bräuchte die Hilfe dringend.
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Madrid.Die von der EZB in Aussicht gestellten Stützungskäufe für Schuldenländer sind nach Ansicht von Frankreichs Präsident Francois Hollande auch geldpolitisch wohlbegründet. „Wenn man die große Kluft bei den Renditen sieht, könnte das eine Intervention im Namen der Geldpolitik rechtfertigen", sagte Hollande am Donnerstag in Madrid nach Gesprächen mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy. Auch der spanische Regierungschef betonte, die großen Renditeunterschiede stünden mit den wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Euro-Länder nicht im Einklang.

Während Deutschland und auch Frankreich in der Euro-Krise am Anleihenmarkt als sicherer Hafen gelten und niedrige Refinanzierungskosten haben, müssen Schuldenländer wie Spanien und Italien wesentlich höhere Zinsen am Kapitalmarkt schultern. Italien wagte sich am Donnerstag erstmals seit Wochen mit langlaufenden Anleihen an den Kapitalmarkt und profitierte dabei von der Ankündigung Draghis, Schuldenländern unter Umständen beizuspringen. Die Regierung in Rom sammelte ohne Probleme 7,29 Milliarden Euro an frischem Geld bei den Investoren ein und zahlte dabei niedrigere Zinsen als zuletzt.

Nach den von EZB-Chef Mario Draghi skizzierten Überlegungen steht die Zentralbank bereit, nach einem Antrag eines Landes auf EU-Rettungshilfe umlaufende Anleihen am Geldmarkt aufzukaufen. Die Euro-Rettungsfonds EFSF oder ESM könnten sich dann auf Bondkäufe am Primärmarkt konzentrieren. Spanien gilt als erster Anwärter auf den Rettungsschirm, doch will Rajoy zunächst abwarten, wie die Pläne der EZB im Detail aussehen. Näheres erwarten Experten von der Ratssitzung am kommenden Donnerstag.

Spanien hat bereits Rettungshilfe für seinen maroden Bankensektor beantragt. Dafür stehen bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Land kämpft jedoch auch selbst mit großen Defizitproblemen. Dabei tragen die zum Teil hoch verschuldeten autonomen Regionen massiv zu den Problemen bei. Wegen ihrer schlechten Bonität ist ihnen der Zugang zum Kapitalmarkt praktisch verschlossen. Die Regierung will den klammen Gebieten deshalb mit einem Fonds im Volumen von 18 Milliarden Euro unter die Arme greifen, der jedoch noch nicht startklar ist.

Die Region Valencia kündigte nun an, beim Fonds voraussichtlich 4,5 Milliarden Euro an Hilfe beantragen zu wollen. Dies ist rund eine Milliarde Euro mehr als bislang avisiert. Auch Spaniens wirtschaftlich stärkste Region Katalonien will über den Fonds an mehr als fünf Milliarden Euro an frischem Geld gelangen. Auch die kleinere Region Murcia hat Finanzbedarf angemeldet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Rettungspläne: Hollande schlägt sich auf Draghis Seite"

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  • Wieso schlagt ihr auf Draghi/Hollande etc ein ?

    Kanzlerin Merkel wartet doch nur auf ihr Unschuldslamm SPD und dann geht es in der grossen Koalition ab wie auf einem "dirt track"....

    Steinbrueck und Co. stimmen doch schon lange Geldpresse und Inflation zu.... Der "sozialdemokratischen Mehrheit" in Europa gilt es keine schweren Steine in den Weg zu legen.
    Mittelstand und Arbeitnehmer : die groessten Verlierer dieser Krise.

  • Trichet handelte nicht wie ein neutraler EZB Präsident handeln sollte, sondern wie ein franz. Staatsbeamter. Draghi ist da noch sehr viel schlimmer. Aber aller beide und Hollande handeln so wie sich das der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble so sehr wünscht.

  • Offensichtlich meint Hollande das er es schafft günstig an EZB-Gelder zu kommen. Sonst würde er sein Ansehen doch nicht mit der Senkung des Renteneintrittsalters und der Subventionierung des Spritpreises heben wollen.

    Erst werden die Fakten (Notlage) geschaffen, dann die Hand aufgehalten.

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