EZB setzt Mindestanforderung aus
Trichet springt Portugal zur Seite

Nach der Herabstufung durch die Ratingagenturen steht Portugal an der Wand. Doch auf die EZB kann sich Lissabon verlassen - wie zuvor Irland und Griechenland. Aber diese Hilfe kann rasch zur Stigmatisierung werden.
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Frankfurt„Wir haben beschlossen, die Mindestanforderung für das Kredit-Rating auszusetzen“, sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Damit können portugiesische Banken auch künftig Staatsanleihen ihres Landes als Sicherheit bei der EZB hinterlegen und sich im Gegenzug mit frischem Geld eindecken.

Die Ratingagentur Moody's hatte die Staatsanleihen des hoch verschuldeten Landes am Dienstag auf Ramschstatus herabgestuft. Damit darf die EZB diese Papiere eigentlich nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. Sie hat nun aber wie schon im Falle Griechenlands und Irlands eine Ausnahme beschlossen, um den Bankensektor bei Kasse zu halten und damit die Wirtschaft zu stützen. „Sie gilt bis auf weiteres“, sagte Trichet.

Die weitere Aufnahmeregelung wird damit fast schon zur Regel. „Die Regeln der EZB wurden aufgeweicht“, sagte Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler.

Über die Rolle der Ratingagenturen müsse auf globaler Ebene nachgedacht werden, forderte Trichet. Ihre Urteile verstärkten Trends, und das sei nicht optimal. Außerdem sei die kleine, oligarchische Struktur nicht wünschenswert, sagte der EZB-Präsident, ohne die drei führenden Ratingagenturen beim Namen zu nennen. Die Lösung des Problems sei aber sehr komplex. Der oberste Währungshüter der Euro-Zone schließt sich damit der immer heftigeren Kritik an den Ratingagenturen an, die mit Herabstufungen der Bonität von schuldengeplagten Staaten die Finanzwelt in Atem halten.

Eine Beteiligung privater Gläubiger bei der Lösung der Schuldenprobleme in Europa sieht die EZB weiter kritisch. Die Notenbank warne vor allen Schritten, die von Ratingagenturen als Zahlungsausfall oder teilweiser Zahlungsausfall bewertet werden könnten, betonte Trichet. „Wir sagen Nein zu einem Zahlungsausfall, aber wir sind nicht die Entscheider“, sagte Trichet.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB setzt Mindestanforderung aus: Trichet springt Portugal zur Seite"

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  • Ja, wenn solche Typen, wie Sie massenhaft im Rohr stecken, kann sowas nicht sonderlich erfolgreich sein. Aber wer sein Geschütz nicht lädt und gleich darauf verzichtet, das richtige Ziel anzuvisiern, hat schon verloren!

  • @ Rainer_J: Das ist was für den Steuerberater und für die Gerichte: Aufwendungen für die Wahrnehmung demokratischer Rechte sollten genau so absetzbar sein, wie für sonstige politische Betätigungen und Spenden an politische Parteien.

  • Man könnte auch sagen: Trichet springt Trichet zur Seite, mehr ist das nicht! Die Münchhausen-Methode hat aber nur im UFA-Film funktioniert. Die Sache ist bereits angebrannt und statt Löschwasser hat Europas Oberfeuerwehrmann bestenfalls Luft in den Tanks. Mal sehen, wenn die ersten offiziell "von der Fahne" gehen, denen die Pensionierung noch nicht winkt, ähnlich, wie es Obama laufend passiert. Da brennt jemandem gewaltig die Jacke!

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