EZB-Staatsanleihenkäufe
Trichet lüftet sein Euro-Geheimnis

Euro-Staatsanleihen für die Rekordsumme von 22 Milliarden Dollar hat die EZB letzte Woche gekauft - wahrscheinlich vor allem spanische und italienische Papiere. Die Zentralbank hat nun Milliardenrisiken in den Büchern.
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FrankfurtIm Kampf gegen die Euro-Krise hat die Europäische Zentralbank Staatsanleihen die Notenpresse angeschmissen und im großen Stil von klammen Mitgliedstaaten gekauft. Sie erwarb Anleihen für 22 Milliarden Euro, wie die Währungshüter am Montag in Frankfurt mitteilten, und greift damit ungewöhnlich tief in die Kasse. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Kaufvolumen gerechnet: Bei ihrer ersten Intervention im Mai 2010, kurz nach der Aufstellung des Euro-Rettungsschirms hatte sich die Zentralbank der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge nur mit rund 16,5 Milliarden Euro am Markt engagiert.

Von welchen Staaten sie in der Woche bis zum 12. August Anleihen am Markt erworben und die Geschäfte abgewickelt hat, teilte die EZB am Montag in Frankfurt zwar nicht mit. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass es in der Masse Papiere Italiens und Spaniens waren. Händler hatten in den zurückliegenden Tagen immer wieder davon berichtet, dass die Notenbank am Anleihemarkt zugunsten dieser Länder aktiv sei.  

Die EZB hat damit Staatsanleihen im Wert von 96 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, vor allem griechische, portugiesische und irische - und nun wahrscheinlich auch spanische und italienische.

Die EZB hatte am vorvergangenen Wochenende entsprechende Käufe beschlossen. Sie begründet ihre Intervention am Anleihemarkt zwar offiziell damit, dass wegen des Drucks der Finanzmärkte auf diese beiden Länder ihre geldpolitischen Maßnahmen dort nicht ankämen. De facto hilft sie Italien und Spanien durch die Käufe jedoch, finanziell flüssig zu bleiben und nimmt den Druck von den dortigen Banken - meistens die größten Anleihegläubiger der Staaten.  

Die EZB hatte ihr Anleihekaufprogramm, über das sie sich bis vergangene Woche bereits für 74 Milliarden Euro Anleihen von Problemländern in die Bilanz geholt hatte, im Mai 2010 auf dem ersten Höhepunkt der Griechenland-Krise gestartet. Bis März 2011 hatte sie dann Papiere von Griechenland, Irland und Portugal gekauft.

Seitdem hatte sie pausiert - insgesamt 18 Wochen lang; nun startete sie unter dem Eindruck der sich verschärfenden Krise wieder ihre Aktivitäten am Markt. Das Anleihekaufprogramm ist heftig umstritten. Unter anderem gehört die Bundesbank zu den Gegnern. Die Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise hatte die Währungshüter Anfang August zum Handeln gezwungen. Der EZB-Rat beschloss bei seiner turnusmäßigen Sitzung, wieder Staatsanleihen zu kaufen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Staatsanleihenkäufe: Trichet lüftet sein Euro-Geheimnis"

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  • Guten Tag Markus,

    vielen Dank für die Antwort. Ich habe noch den alten „Leitzins“ verwendet.

    Zwei kleine Anmerkungen:

    Die EZB muß als „Europäische Institution“ die Amtsprachen verwenden. Das wäre also Deutsch, Englisch und Französisch. Eine Veröffentlichung in Englisch (57 Millionen Muttersprachler) wäre nie ausreichend. Denken wir doch an Deutsch (EU mit circa 83 Millionen Muttersprachlern) und Europaweit von knapp 88 Millionen.

    Die zweite Anmerkung ist mehr fragend. Wenn die EZB damit die Liquidität aus den Währungsraum reduziert. Wirkt sie abschwächend auf eine Volkswirtschaft. Das heißt daß mit dem Kauf der Staatsanleihen aus Italien und Spanien, diese Staaten die Investitionstätigkeit ausweiten. Die anderen Staaten leiden dementsprechend unter der Liquiditätverknappung das führt also zu einen schwächeren Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik Deutschland.

    Meine Quelle ist eigentlich die Bundesbank, als Teilnehmer des Währungsraums sollte sie umfassend informieren.

    Die EZB werde ich jetzt auch mehr in Betracht ziehen.

  • @ Island und Blinse

    Das können sie problemlos auf der Homepage der EZB unter der Rubrik "Open Market Operations Spalte Ad-hoc Communications" nachlesen,(ist auf Englisch).

    Der Liquiditätsabzug erfolgt über einen sog. Schnelltender mit Laufzeit einer Woche am heutigen 16. August um 11:30 im Volumen von 96 Mrd. Euro, zum Zinsatz von 1,5%.

    Außerdem beträgt der Leitzins nicht 1,25% sondern 1,5%.

  • @Markus.
    Also, ich bin kein Fachmann. Google angeschmissen und die geldpol. Instrumente mal abgefragt. Anleihenankauf war nicht darunter oder muß ich weiter googeln?
    Weiterhin stellt sich mir die Frage, warum bzw. wie die EZB dem Markt Geld entzieht und zwar jetzt hier in diesem konkreten Falle? Ich sehe nur die Geldflut, nicht die Ebbe. Klären Sie mich auf, bin dankbar für eine Antwort, die ich verstehe.

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