EZB verleiht Rekordsummen
Gott schütze Italien

EZB-Chef Mario Draghi bleibt nichts anderes übrig, als vor allem Italien Geld zu leihen. Die Banken seines Heimatlandes haben sonst kaum jemanden, der sie refinanziert. Der Italiener gerät in eine unangenehme Zwickmühle.
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DüsseldorfSo turbulent hatte sich Mario Draghi seinen Start als Chef der Europäischen Zentralbank wohl nicht vorgestellt. Kaum ein Tag vergeht, an dem sein Haus - eigentlich nur der Geldwertstabilität verpflichtet - mit Anleihenkäufen in den Markt eingreifen muss. Hüter der Währung ist er nur noch im Nebenjob. Sein aktueller Auftrag: Retten von Schuldenstaaten. Dabei kommt er nicht drum herum, vor allem seinem Heimatland die helfende Hand zu reichen. Er dürfte dies aber weniger aus Nationalgefühl heraus, als vielmehr aus der Einsicht in die Notwendigkeit machen - denn ohne die EZB stehen der italienische Staat im allgemeinen und dessen Banken im Besonderen vor dem Bankrott.

Die italienischen Banken nehmen Rekordsummen von der Zentralbank in Anspruch. Nachdem die italienischen Bondrenditen auf ein Rekordhoch seit der Einführung des Euro geklettert waren, griffen die Banken des Landes für ihre Finanzierung jüngst verstärkt auf Kredite der Europäischen Zentralbank zurück. Die EZB-Ausleihungen zum Ende des Monats Oktober beliefen sich auf 111,3 Milliarden Euro, verglichen mit 104,7 Milliarden im September und 41,3 Milliarden im Juni, wie aus Daten der italienischen Notenbank hervorgeht. Auf die fünf größten italienischen Kreditinstitute - UniCredit SpA, Intesa Sanpaolo, Banca Monte dei Paschi di Siena SpA, Banco Popolare SC und UBI Banca - entfielen im September 61 Prozent der EZB-Ausleihungen. Die Zahlen dürften angesichts der dramatischen Situation an den Märkten im November noch deutlich zunehmen.

Nachdem die Märkte Griechenland, Irland und Portugal für ihre steigende Verschuldung abgestraft haben, nehmen die Anleger Italien ins Visier. Sie haben die Renditen der Staatsanleihen der drittgrößten Volkswirtschaft im Euroraum auf mehr als 7 Prozent getrieben. Die italienischen Staatsschulden von zwei Billionen Dollar übertreffen die Verbindlichkeiten von Griechenland, Irland und Portugal und Spanien zusammengenommen. Die italienischen Banken müssen nächstes Jahr fällig werdende Papiere im Volumen von 120 Mrd. Dollar refinanzieren.

"Der Abbau der Bankenverschuldung ist eine Gratwanderung", sagt Alberto Gallo, Kreditstratege bei Royal Bank of Scotland. Der Kursrutsch bei den italienischen Staatsanleihen, der die zehnjährigen Renditen am 9. November bis auf 7,48 Prozent trieb, reduziert den Wert der von den Banken gehaltenen Papiere und damit deren Wert als Sicherheit für Kredite, erläutert Gallo. Italienische Banken können bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB zum aktuellen Leitzins von 1,25 Prozent so viel Geld ausleihen wie sie wollen, solange sie über die erforderlichen Sicherheiten verfügen. Nach Angaben der EZB besitzen die italienischen Kreditinstitute in ausreichendem Volumen Papiere, die von ihr akzeptiert werden können.

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  • GOTT SCHÜTZE UNS VOR ÜBERHEBLICHKEIT!
    Es wird die Geschichte sein, die über einen Kriminellen wie Trichet urteilt. Zu diesem Zeitpunkt wird sein leibliches Wohl wird gar nicht mehr einer Fragestellung unterworfen sein müssen. Desgleichen gilt für Draghi: Es ist ausschließlich eine Entscheidung dieses Menschen, ob er ein Gleiches wie Trichet verantworten kann.
    In Artikeln des HB haben alle gelernt, wie synonym folgende Begriffe für Marktkorrekteure doch sind:
    "Anleger" = "Spekulanten" = "Profitgierige" = "Finanzkriminelle" = "Politidioten" usw. usw.
    Gewählt, gar vom Volk, sind diese alle nicht.
    Nehmen alle doch erst einmal zur Kenntnis:
    PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE! - Damit ist doch der politische wie auch wirtschaftlich notwendige Umkehrpunkt auf diesem weltpolitischen Spielplatz fixiert!

  • Der Euro ist verloren, wird Zeit dass die mit ihrem Wasserkopf, der Selbstbedienung (jeder 4. EU Beamte verdient monatlich mehr als 10.000€!), Verschwendung, Überregulierung rettungslos befrachtete "EU" platzt. Alles noch mal auf Anfang. Solange sind wir dann ohnehin in der EFTA. Reicht zur Not.

  • Eine Regierung wird vom Volk gewählt. Nicht von der EU , nicht von Merkel, nicht vom kleinen franz. Größenwahnsinnigen De Funes alias Sarkozy, nicht von den deutschen Medien.
    Dies betrifft Italien. Italien ist ein reiches Land, Norditalien ist mit die reichste Region Europas. Die italiensichen Wähler sind souverän und sie werden bestimmen
    ,wohin die ital. Staatskarre gezogen werden soll.Sicherlich nicht in den Dreck.
    Die ital. Überschuldung , die übrigens nicht so wesentlich größer als die franz. , deutsche oder englische ist,
    kriegt das Land in den Griff, ohne die eigene Souveranität an Frankreich oder an Deutschland abzutreten.Wo kämen wir hin ?
    Ihr Motto sollte daher lauten Gott schütze Europa und nicht Gott schütze Italien.

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