EZB-Vize Constancio: „Der Markt versteht unsere Botschaft nicht“

EZB-Vize Constancio
„Der Markt versteht unsere Botschaft nicht“

Verwirrung zwischen EZB und Investoren: Signale in Richtung Zinssenkungen und Wertpapierkäufen seien falsch verstanden worden, heißt es von der Spitze der Zentralbank.
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Frankfurt/BrüsselDie Europäische Zentralbank (EZB) fühlt sich von den Investoren an den internationalen Finanzmärkten nicht richtig verstanden. Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Notenbank seien missinterpretiert worden, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Dienstag in Brüssel der Finanznachrichtenagentur MNI.

Die EZB könne weiter bei Bedarf mit zusätzlichen Zinssenkungen oder großangelegten Wertpapierkäufen auf eine Verschlechterung der Konjunktur oder einen weiteren Rückgang der Teuerungsrate reagieren, betonte der Notenbanker. „Es liegen alle Werkzeuge auf dem Tisch und können benutzt werden.“

Die EZB hatte ihren Leitzins vergangene Woche bei 0,25 Prozent belassen und zur Enttäuschung vieler Börsianer keine weiteren Maßnahmen in Aussicht gestellt. Draghi hatte zudem in den Augen vieler Beobachter ein relativ optimistisches Bild der Konjunktur gezeichnet und Sorgen vor einer gefährlichen Spirale sinkender Preise und sinkender Investitionen zu zerstreuen versucht. Ungeachtet dessen werde die Zinspolitik aber weiter extrem locker bleiben, sagte Draghi. „Unsere Geldpolitik wird aber auch dann erst einmal so bleiben wie sie ist, wenn wir Fortschritte bei der Konjunktur sehen.“

Constancio bezog sich nun ausdrücklich auf dieses Zitat des Notenbankchefs. „Ein Element in der Äußerung des Präsidenten, das von den Analysten und an den Märkten nicht aufgenommen wurde, war die Aussage, dass unser Zinsversprechen stabiler oder niedrigerer Zinsen auch über eine einfache Verbesserung der Situation hinaus gilt“, sagte Constancio. „Grund dafür ist, dass die Wirtschaft nicht rund läuft. (...) Das wurde von den Märkten leider nicht aufgenommen.“

Einige Analysten und EZB-Beobachter, darunter etwa Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer, hatten in den vergangenen Tagen erklärt, für sie seien nach den jüngsten Äußerungen Draghis weitere Zinssenkungen vorerst vom Tisch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Vize Constancio: „Der Markt versteht unsere Botschaft nicht“"

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  • Dummer, dummer, dummer, dummer Markt!

    Was gab es denn da misszuverstehen?

    Draghi sagte (sinngemäss): "Wir haben den Gott der Preisentwicklung in unserer hohlen Hand. Und sollte er unsere Gebete nicht erhören, werden wir weiterhin entschlossen von all jenen Instrumenten Gebrauch machen, die schon bisher nicht geholfen haben."

    Aber das war einigen Marktteilnehmern anscheinend nicht genug. Manche hatten darauf spekuliert, dass Draghi den Leitzins auf der Stelle in einem gewaltigen Kraftakt mehr als halbiert! (Sprich: Eine Zinssenkung um sage und schreibe 0,15 Prozent!!).

    Können diese Menschen denn nicht die Leuchtfeuer der globalen Konjunkturerholung sehen? Soll man denn gerade jetzt den weissglühenden Konjunkturmoter noch hitziger anfeuern?

    Armer Draghi - Mit so doofen Marktteilnehmern ist man wirklich gestraft...

  • Welchen Markt meint er denn...den Finanz-Markt der Abzocker-Banken...Null Zinsen für Erspartes und mehr Anreize sich zu Verschulden...dass nennt man mal ein super Konjunkturprogramm für diese Bankenmafia auf Kosten der sozial Schwachen und Guthaben Anleger.
    Unseriöse Bank-Anlage-Geschäft bekommen durch so eine niedrig Zinspolitik sehr starken auftrieb.
    Der Schaden, den diese Zinspolitik anrichtet, wird beim "Kleinen Mann/Frau" voll zum Tragen kommen!

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