Fachbuch-Rezension

Düstere Zukunft für den Kapitalismus

„Die Schuldenlawine“ zeichnet ein Schreckensszenario: Der Tod der freien Märkte. Schleichend wird er kommen, prophezeien die Autoren. Im Science-Fiction-Stil rechnen sie mit den Banken ab. Doch was ist die Lösung?
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Das Bild von der hässlichen Fratze des Kapitalismus wird von den Autoren in „Die Schuldenlawine“ gezeichnet. Quelle: dapd

Das Bild von der hässlichen Fratze des Kapitalismus wird von den Autoren in „Die Schuldenlawine“ gezeichnet.

(Foto: dapd)

FrankfurtWas erwartet uns im Jahr 2015? Es ist eine Simulation, mit der "Die Schuldenlawine" startet. Das dort gezeichnete Zukunftsbild dürfte manchem Leser das Grauen lehren. "Es könnte aber noch schlimmer kommen", folgert der Start im Science-Fiction-Stil. Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Philipp Vorndran sowie Mitautor Ingo Narat sind nicht bereit, auch nur einen Deut von ihrem Schreckensszenario abzuweichen. Dem in die Tiefen der alles beherrschenden Schuldenkrise vorstoßenden Fachbuch ist sowohl die brennende Aktualität als auch die Erfahrung seiner Autoren anzumerken.

Sie lassen auf der einen Seite keinen Zweifel an der grundsätzlichen Überlegenheit der Marktwirtschaft und des Kapitalismus gegenüber konkurrierenden Systemen zu, kritisieren andererseits jedoch die Exzesse des Kapitalismus. Die Autoren beschäftigen sich mit der in einer riesigen Schuldenblase sichtbaren "hässlichen Fratze des Kapitalismus", eine Entwicklung, die für sie vor einigen Jahren noch unvorstellbar war. Als inmitten des "Hexenkessels Finanzmärkte" stehende Akteure haben sie über viele Jahre hinweg selbst den rund um sie herum wild tobenden Turbo-Kapitalismus aus allernächster Nähe mitbekommen.

Denn die "Droge Staatsschulden" konnte nur durch kollektives Versagen ihre zerstörerische Wirkung entfalten. Nur wenige haben in der wilden Phase warnend den Zeigefinger gehoben. Dort, wo in der Weltwirtschaft und vor allem an den boomenden "selbstverliebten" Finanzmärkten jahrzehntelang der vermeintliche Sonnenschein genossen wurde. Wo sich der Westen im Erfolg der Vergangenheit sonnte und die Finanzmarktakteure jegliche Fähigkeit zur Selbstkritik verloren hatten. Auf diesen Märkten kaschierten Politiker die Schwächen des Systems einfach, indem sie den Krisenauslöser potenzierten - nämlich den Faktor Kredit. Bis es knallte.

Inflationierung als Lösung
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25 Kommentare zu "Fachbuch-Rezension: Düstere Zukunft für den Kapitalismus"

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  • Wollen wir überhaupt eine Gesellschaft und Wirtschaft, die auf Verantwortung, Stabilität und Nachhaltigkeit basiert? Wollen wir eine gerechte und starke Gemeinschaft?

    Manipulation, Ausbeutung und Lügen zum alleinigen Vorteil scheinen die aktuell akzeptierten Werte zu sein.




  • Von welchen beiden Organisationen reden sie da? Und was hat der KluKlux-Clan, der nie solche Maske trug, mit Anonymous oder Occupy zu tun? Sortieren Sie erstmal ihre Gedanken, bevor Sie solch ein Geschwurbel schreiben

  • Sie haben ja weitgehend recht, nur mit dem Korrektiv der Aktionäre, da muss ich Ihnen entschieden widersprechen, da sie Teil des Problems sind, indem sie sich von Quartalszahlen blenden lassen und nicht auf Nachhaltigkeit setzen. Die Manager sind doch die Getriebenen der Quartalszahlen, sie handeln da oft wider besseren Wissens, ganauso wie die Politik

  • Mr.Put
    Wird nicht heute genau der Satz, den von Weizsäcker mal vor Jahren sachon sagte, Wirklichkeit?
    "Die Politik hat sich den Staat untertan gemacht"?
    Wie Sie ja richtig schreiben, durch Verdummung der Bürger, hat der Staat momentan von diesen Bürgern nicht viel zu befürchten.
    Nur, fürchte ich, wird das nicht mehr lange so gehen, denn irgendwann wird auch der dumme Bürger wach, wenn er nicht mehr weiß, wie er seine Familie satt bekommen soll
    Ludwig Erhard sagte mal "zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch das Maßhalten"
    Auch das gilt nicht mehr, es herrscht nur noch die Gier

  • @margrit: Das Gegenteil ist der Fall! Die Politik setzt ständig Regeln, und wundert sich dann, daß die Menschen auf diese Regeln reagieren (z.B. Banken, die "sichere" Staatsanleihen kaufen (müssen) ), oder aber von der fehlenden Verlässlichkeit der sich ständig ändernden Regeln so paralysiert sind, daß sie irgendwann gar nichts mehr machen!

  • HerrEiche
    dem kann ich mich voll und ganz anschließen.
    Die Politik, die ja schon lange nicht mehr demokratisch ist, setzt keine Regeln, keine Rahmen

  • @ alpinium: Zitat: "Und diese kommunistischen Hebel hat der Markt selber gefordert. Ich denke da nur an die unsägliche Banken-Rettung vor 3-4 Jahren. Hätte man den Banken kein Geld für ihre verzockten Geschäfte gegeben, wären diese Banken vom Markt. Nur leider auch noch eine ganze Reihe anderer Unternehmen wie Privatleute auch. Man muss daher eher von einer Erpressung der Märkte gegenüber der Politik und der Bevölkerung der einzelnen Nationalstaaten sprechen."

    "Kommunistisch" als Vokabel für "sozialisiert" trifft es eindeutiger. Stimme demzufolge zu.

  • @Mr.Put: Faschismus ist nichts anderes als staatlicher Kollektivismus der brutalsten Sorte, und somit das genaue Gegenteil von Freiheit und Marktwirtschaft.
    2) Soetwas wie einen "freiheitlichen Sozialismus" gibt es nicht und kann es nicht geben. Der Sozialismus muß denknotwendig darauf basieren, denjenigen Zwang anzutun, und kann somit gar nicht freiheitlich sein. Der Unterschied zwischen freiheitlicher Demokratie und "demokratischem Sozialismus" ist wie der Unterschied zwischen einer Jacke und einer Zwangsjacke.

  • @azaziel: Sie haben völlig Recht, was die Aushebelung der Haftung betrifft, einen Punkt übersehen Sie allerdings: Es ist ja nicht so, daß die Banken hochspekulativ in Risiken investiert hätten! Das mag 2008 in den USA in bestimmten Fällen so gewesen sein, in Europa 2012 jedoch wird den Banken nun zum Verhängnis, daß Sie vom Staat (!) in Staats-Anleihen gedrängt wurden, von denen der Staat qua Gesetz und Regulierung sagte, daß Sie vollkommen (!) ohne Risiko sind.

  • Ach wie gut, daß niemand weiß, ...

    Historisch war die SPD eine linke Partei, weil sie sich auf Karl Marx antikapitalistische Theorie berief und für die Lohnabhängigen eintrat, die CDU als "rechts" eingestuft, nicht nur, aber auch, weil sie das Sammelbecken der Altf+sch+s war, sondern primär wegen ihrer Nähe zu den Konzernspitzen und dem Kapitalismus.
    Das Grundgesetz, welches Schäuble nun abschaffen will und für dessen Abschaffung mit arglistiger Täuschung die Wege bereitet worden sind von Schengen bis zum ESM, hält beide Optionen offen, einen freiheitlich-demokratischen Sozialismus wie die kapitalistische Option einer sozialen Marktwirtschaft.

    Für beide Varianten ist ein aufgeklärter Souverän maßgeblich, der aber mittels schulischer und medialer Verblödung ausgebootet worden ist als Entscheidungsträger.

    Im Artikel nun wird zugegeben, daß wir uns mitten drinnen im Turbo-Kapitalismus befinden, also dem, was dem Grundgesetz feindlich ist. Denn Turbo-Kapitalismus ist nur ein neues Wort für F+sch+smus und der ist ein "übersteigerter Kapitalismus".

    Theoretisch sollte die vierte Kraft im Staate dagegen aufbegehren, praktisch unterstützt sie eben genau diese Bestrebungen von den linken Dummschwätzer-Medien bis zu den rechten Börsen-Blättern.

    Und schaut man sich die Kommentare der Anleger über die Griechen in diesem Blatt an, stehen wir genau da, wo der Österreicher hin wollte.

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