Fachkräftemangel
Werbekampagnen sollen Auswanderer zurücklocken

Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels und des drohenden demografischen Knicks versuchen immer mehr Länder, ihre gut ausgebildeten Auswanderer zurückzuholen. Im Gegensatz zu anderen Ländern bemüht sich Deutschland bislang ausschließlich um den abgewanderten wissenschaftlichen Nachwuchs – Rückholprogramme für die breite Masse gibt es nicht.

BERLIN. Polen startet derzeit wie Russland eine große Werbekampagne, um den hunderttausendfachen Aderlass zu stoppen. China und Indien kämpfen schon seit langem um die Ressource Mensch.

Polens Präsident Lech Kaczynski kündigte vergangene Woche an, der Auswanderung von Ärzten, Pflegern, Handwerkern und Ingenieuren nicht mehr länger tatenlos zusehen zu wollen. Über eine Million Polen haben seit dem EU-Beitritt 2004 das Land verlassen. Zwar gibt es auch Zuwanderungsströme nach Polen. So sind etwa Rumänien oder Polen durch die Osterweiterung der EU nicht nur zum Auswanderungs-, sondern auch zum Einwanderungsland geworden. Aber es kommen eben nicht die erwünschten qualifizierten Kräfte, um den Treck in den Westen kompensieren zu können.

Die Regierung in Warschau will nun Stellenbörsen im Ausland einrichten. Familien soll die Rückkehr erleichtert werden, indem die Schulen die Anforderungen für die zurückgeholten Kinder senken. Ähnliche Programme gibt es in fast allen anderen osteuropäischen Ländern wie Tschechien, der Slowakei, Bulgarien oder Rumänien.

Auch Russland startete vor kurzem ein 80 Mill. Euro teures Programm, um die deutschstämmigen Russen zur Rückkehr zu bewegen. Der Auslöser ist derselbe wie in den anderen Ländern: Nach einer Uno-Studie muss Russland in den nächsten zehn Jahren zwei Mill. Einwanderer aufnehmen, um sein Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete, will die Regierung mit dem Geld Wohnungen bauen und das Bildungs- und Gesundheitswesen für die deutschstämmige Gemeinschaft in Russland verbessern.

Sind Rückholerprogramme auch eine Lösung gegen den Fachkräftemangel und die sinkende Geburtenrate in Deutschland? Migrationsforscher Klaus Bade hält nichts davon: „Das ist der falsche Weg“, sagt Bade, der auch im Zuwanderungsrat der Bundesregierung sitzt. Der Migrationsforscher geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert: „Auch wenn die Konjunktur in Deutschland weiter brummt, wird die Auswanderungswelle weiter gehen.“

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