Helle Aufregung in San Francisco: Wenige Minuten vor dem Entzünden der olympischen Fackel wurde zunächst eine Verkürzung der Route angekündigt. Dann hieß es, die Fackel solle auf einem Boot transportiert werden. In letzter Minute wurde die Route dann heimlich komplett verlegt. Zwischen pro-tibetischen und pro-chinesischen Demonstranten kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen.
HB SAN FRANCISCO. Überraschung beim olympischen Fackellauf in San Francisco: Mit einer plötzlichen Programm-Änderung haben die Veranstalter offensichtlich auf die Gefahr von Ausschreitungen entlang der ursprünglich geplanten Route reagiert. Mit dem Entzünden der Fackel unter einem großem Polizeiaufgebot war der Lauf am Mittwochmittag (Ortszeit) eröffnet worden. Wenig später verschwand der erste Läufer in einem Hafengebäude. Dort könnte die Flamme auf ein Boot verladen werden, hieß es zunächst. Erst knapp eine Stunde später tauchte die Flamme in der Innenstadt, weitab von der geplanten Strecke, wieder auf. Fackel und Läufer waren mit einem Bus dorthin gebracht worden.
Entlang der ursprünglich vorgesehen Strecke des Fackellaufs, die von tausenden Menschen mit tibetischen Flaggen gesäumt war, wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Der Zugang zur symbolträchtigen Golden Gate Bridge wurde ebenfalls erschwert, Aktivisten hatten sie zuvor für Protestaktionen gegen China genutzt.
Bildergalerie: Olympischer Spießrutenlauf
77 Läufer sollten die Fackel von Polizisten begleitet durch die Stadt tragen. Drei Fackelträger hatten aus Angst vor Tumulten ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. Nach den Ausschreitungen in London und Paris haben die Organisatoren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.
Die Beamten drohten mit Festnahmen, falls Zuschauer und Demonstranten die aufgestellten Absperrungen entlang der Laufstrecke übertreten sollten. Am Vormittag war es bereits zu Zusammenstößen zwischen chinesischen und pro-tibetischen Demonstranten gekommen. Die Polizei habe sich zwischen die gegnerischen Gruppen stellen müssen, berichtete der Radiosender KCBS. San Francisco ist die sechste Station der Fackel auf ihrer internationalen Reise nach Peking und die einzige auf nordamerikanischem Boden.
Bereits wenige Stunden vor Beginn des olympischen Fackellaufs in San Francisco sind am Mittwochvormittag (Ortszeit) bereits viele hundert Menschen friedlich protestierend über die Golden-Gate-Brücke gezogen. Mönche aus Tibet und Birma waren unter den Demonstranten, die gegen die Tibet-Politik Chinas und Menschenrechtsverletzungen in Birma protestierten.
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Zuvor hatte der britische Premierminister Gordon Brown angekündigt, dass er nicht an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnehmen werde. Das gab eine Sprecherin Browns am Mittwochabend bekannt. Allerdings plane der Premierminister bislang noch, zur Abschlusszeremonie der Spiele nach Peking zu reisen.
Browns Sprecherin bestand darauf, dass der Premierminister nicht die Ansicht hatte, an der Olympiade-Eröffnung teilzunehmen. Browns Nichtteilnahme bedeute daher keineswegs, dass Großbritannien diese Zeremonie boykottiert, sagte sie. Die Opposition in London begrüßte die Erklärung. Der Premierminister scheine „nun das Richtige zu tun, wenngleich er sich dazu recht spät und nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung entschließt“, sagte der Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei, Nick Clegg.
Brown selbst hatte Ende März bei einer Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in London erklärt, für ihn käme ein Boykott der Spiele nicht in Frage und Großbritannien werde in jedem Fall an der Eröffnungszeremonie teilnehmen. Die Olympischen Spiele in China finden vom 8. bis 24. August statt.

