Fahndungen laufen auf Hochtouren
Europa gedenkt der Opfer von London

Eine Woche nach den Selbstmordanschlägen von London haben am Donnerstag Millionen Menschen europaweit schweigend der 52 Todesopfer gedacht. In London standen um 12.00 Uhr Ortszeit Busse, Taxen und Bahnen für zwei Minuten still. Menschen legten ihre Arbeit nieder. Auch in Berlin, Paris, Rom, Madrid und anderen europäischen Metropolen wurde zeitgleich (13.00 Uhr MESZ) still der Opfer des ersten Selbstmordattentats in Westeuropa gedacht.

HB LONDON. In Nordengland fahndete die Polizei derweil weiter nach den Hintermännern. Die Polizei präsentierte zudem Bilder des mutmaßlichen Attentäters auf einen Londoner Bus und forderte die Öffentlichkeit zu Hinweisen auf. Hinter den Anschlägen auf U-Bahnen und einen Bus in London vermutet die Polizei die Al-Kaida-Extremisten um Osama bin Laden, der der Drahtzieher der Attentate vom 11. September 2001 in den USA war und als Anstifter weiterer Anschläge gilt.

Tausende standen mit gesenktem Kopf und zum Teil weinend in der glühenden Mittagshitze auf dem Trafalgar Square. Nur die Wasser-Fontänen der Springbrunnen waren auf dem sonst so belebten Platz zu hören. „Eine Stadt, eine Welt“, prangte auf einem Banner über dem Platz, wo die Londoner kurz vor den Anschlägen den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 gefeiert hatten. Ein lang anhaltender Applaus beendete die Stille. Auch im Bahnhof King's Cross - einem der vier Anschlagsorte - kamen Hunderte zusammen. „Ich habe hier einen meiner besten Freunde verloren - diese zwei Minuten werden ihn leider nicht zurückbringen“, sagte ein 22-Jähriger.

Premierminister Tony Blair, der ein entschiedenes Vorgehen gegen Moslem-Extremisten angekündigt hat, gedachte im Garten seiner Wohnung in der Downing Street der Toten. Königin Elizabeth II. verharrte vor dem Buckingham Palast und neigte ihr Haupt zum Zeichen von Trauer und Mitgefühl. Von den Londoner Flughäfen starteten während des Gedenkens keine Flugzeuge. Selbst an den sonst so hektischen Börsen in Europa verharrten Börsianer in stillem Gedenken. In Deutschland blieben in Großstädten wie Hamburg und Berlin Züge und S-Bahnen während der Schweigeminuten in den Bahnhöfen und Haltestellen.

Während Europa trauerte, ging die Suche nach den Drahtziehern weiter. Gut 60 Kilometer nördlich Londons durchsuchten Polizisten ein Haus in Aylesbury, Festnahmen gab es nicht. In London befragten Ermittler einen 29-Jährigen, dem die Vorbereitung terroristischer Taten vorgeworfen wird. In Leeds evakuierte die Polizei zahlreiche Häuser nahe der Wohngegend der identifizierten mutmaßlichen Attentäter. Auch eine Moschee und eine Schule seien abgeriegelt worden, hieß es.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei drei der verdächtigten Täter um 18 bis 30 Jahre alte radikale britische Moslems pakistanischer Abstammung aus der Region um Leeds. Pakistan bot seine Hilfe bei den Ermittlungen an. „Wir pflegen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eine ständige Zusammenarbeit mit Großbritannien“, sagte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums.

Von dem mutmaßlichen Bus-Attentäter veröffentlichte die britische Polizei Bilder. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, Hinweise zu den letzten Handlungen des 18-Jährigen zu geben. Dieser sei von Überwachungskameras in King's Cross vor den Anschlägen aufgenommen worden. „Die Frage an die Öffentlichkeit lautet: „Haben Sie diesen Mann in King's Cross gesehen?“ fragte der Leiter der Anti-Terrorabteilung der Londoner Polizei, Peter Clarke. „War er allein oder in Begleitung? Wissen Sie, welchen Weg er vom Bahnhof aus einschlug? Haben Sie ihn in einen Bus der Linie 30 steigen sehen? Und falls ja, wo und wann?“

Bei dem vierten mutmaßlichen Attentäter handelte es sich Polizeikreisen zufolge um einen in Jamaika geborenen Briten, der in Aylesbury gewohnt hat.

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