Fall Bigley auf der Agenda
Großbritannien für Irak-Wahl Anfang 2005

Der britische Außenminister Jack Straw will trotz der anhaltenden Gewalt im Irak an den dort für Anfang kommenden Jahres geplanten Wahlen festhalten.

HB BAGDAD. „Ich glaube, dass sie Ende Januar im gesamtem Irak stattfinden können und stattfinden sollten“, sagte Straw am Dienstag bei einem überraschenden Besuch im Norden des Landes. Seinen Worten zufolge steht die seit langem geplante Reise in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Entführung des Briten Kenneth Bigley, der sich seit knapp drei Wochen in der Gewalt von Aufständischen befindet. „Aber natürlich stehen der Fall Ken Bigley und seine Notlage auf meiner Agenda, wenn ich nach Bagdad komme“, sagte Straw. Auf die Frage, ob es einen Kontakt mit den Entführern gegeben habe, antwortete er: „Soweit ich weiß, nicht.“

Der Sohn des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi erklärte sich unterdessen bereit, sich in die Bemühungen zur Befreiung des Entführten einzuschalten. Seine Wohltätigkeitsorganisation nutze gute Kontakte im Irak und habe Gespräche aufgenommen, sagte Saif Gaddafi bei einer Veranstaltung in Wien. „Der heutige Tag und morgen sind entscheidend.“ Bigley war am 16. September im Irak verschleppt worden. Zwei mit ihm als Geiseln genommene Amerikaner wurden inzwischen von der Extremisten-Organisation Tauhid und Dschihad enthauptet. Die britische Regierung hat stets Verhandlungen mit den zur Gruppe des Extremisten Abu Mussab al-Sarkaui gehörenden Geiselnehmern abgelehnt. Unmittelbar nach der Entführung hatten diese die Freilassung aller weiblichen Häftlinge in irakischen Gefängnissen verlangt. Nach Angaben der britischen Botschaft beriet Straw im nordirakischen Kirkuk mit dem Kurdenpolitiker Dschalal Talabani über die geplanten Wahlen. Großbritannien ist der engste Verbündete der USA im Irak-Konflikt.

Wieder Tote und Verletzte bei Gefechten

In mehreren Städten kam es am Dienstag erneut zu Anschlägen und Gefechten zwischen Aufständischen und US-Soldaten. Die US-Streitkräfte bemühen sich seit Wochen darum, rechtzeitig vor den Wahlen die Kontrolle über von Rebellen gehaltenen Städte wiederzuerlangen. In Mossul wurden drei irakische Zivilisten bei einem Feuergefecht getötet. Augenzeugen zufolge eröffneten US-Soldaten das Feuer nach einem gegen ihre Fahrzeug-Kolonne gerichteten Autobombenanschlag. Ebenfalls in Mossul wurden die Leichen von drei enthaupteten Irakern gefunden. In Ramadi wurden bei der Explosion einer Autobombe zwei Zivilisten getötet. In der Hauptstadt Bagdad kam bei Granatfeuer ein Zivilist ums Leben.

Der ehemalige US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, kritisierte das Vorgehen des US-Verteidigungsministeriums nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein. „Wir hatten nie genügend Truppen im Land“, sagte Bremer in einer Rede, aus der die „Washington Post“ zitierte. Es sei fälschlicherweise angenommen worden, dass nach dem Sturz Saddams humanitäre Hilfe und die Flüchtlingsversorgung im Vordergrund stehen würden. Stattdessen sei es zu einem Aufstand von mindestens vier gut bewaffneten Gruppierungen gekommen. In einer E-Mail an die Zeitung schrieb Bremer, seine jüngsten Bemerkungen beträfen nur die Situation im Irak direkt nach seiner Ankunft im Mai 2003 und nicht die gegenwärtige Lage.

Die US-Armee teilte mit, vier US-Soldaten seien wegen Mordes an einem irakischen General angeklagt worden. Den Soldaten werde vorgeworfen, den Generalmajor der Luftverteidigung im November in der Stadt Al-Kaim nahe der syrischen Grenze erstickt zu haben. Die inzwischen in die USA zurückgekehrten Soldaten befinden sich auf freiem Fuß und verrichten weiter ihnen Dienst. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen lebenslange Haftstrafen.

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