Fall „Dschihadi John“
Wieso junge Muslime zu Terroristen werden

„Dschihadi John“ wuchs wohl in London auf, er studierte dort. Wie kam es, dass er zum Schlächter der Terrormilizen wurde? Die muslimische Gemeinde in Großbritannien hat viele Fragen – doch simple Antworten gibt es nicht.

LondonDer „Fall Dschihadi John“ erschüttert. Niemand weiß genau, wie viele junge Muslime aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich bereits nach Syrien gereist sind, um für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu kämpfen. Experten fragen sich: Was ist der geheime Reiz, den die islamischen Kämpfer ausüben? Werden die jungen Leute verführt, welche Rolle spielt die Religion, handelt es sich gar um Gehirnwäsche?

Die muslimische Gemeinschaft in Großbritannien sucht nach Antworten. „Terrorismus und Extremismus: Wie sollen die britischen Muslime reagieren?“, lautet der Titel einer Konferenz, die ausgerechnet am Donnerstag stattfand – dem vermeintlichen Todestag des IS-Mörders „Dschihadi John“.

Miqdaad Versi, Sprecher des Muslim Council of Britain, zieht zunächst eine Parallele: „In den 60er und 70er Jahren zogen sich junge Leute im Westen T-Shirts von Che Guevara an - das war damals cool.“ Auch damals gab es Terrorismus – Gewalt, vor allem in Namen einer vermeintlich guten Sache, habe bei der Jugend häufig Konjunktur, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Dann gebe es die Gruppe der Verführten: Manche junge Leuten wollen nach Syrien, um gegen den Diktator Baschar al-Assad zu kämpfen. „Doch wenn Sie in Syrien sind, merken sie, dass sie vor allem andere Muslime töten.“ Sein Fazit: „Längst ist es nicht immer die Religion, die Jugend in die Armee des Terrorismus treibt.“

Andere Redner der Konferenz bekennen offen ihre Ratlosigkeit. Immer wieder gibt es ärgerliche Stimmen, die kritisieren, warum man nicht auch von „buddhistischem Terrorismus“ oder „hinduistischem Terrorismus“ spreche - schließlich gebe es auch dort Anschläge und Gewalt. „Der größte Feind der Muslime sind die Medien“, meint ein aufgebrachter Teilnehmer.

„Es gibt keine einfache Erklärung und es gibt kein Patentrezept“, wie die jungen Leute zu schützen seien, meint Versi. Doch eines stehe fest: Die sozialen Medien spielten eine Schlüsselrolle. „Nicht in den Moscheen, in den sozialen Medien werden Gewaltideologien transportiert.“

Mehrere Redner geben der britischen Regierung schuld, sie schüre Vorurteile gegen Muslime, stemple sie zur Gefahr und trage damit zur unheilvollen Entwicklung bei. Scheich Ibrahim Mogra, einer der Führer der Muslim Council of Britain, versucht die Hitzköpfe zu beruhigen. „Unglücklicherweise ist der Muslim heute eine wütende Person“, meint er. Auch das müsse ein Ende haben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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