Fall Litwinenko
Britische Ermittler fliegen nach Moskau

Britische Polizisten sind am Montag für Ermittlungen im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko nach Moskau gereist. Das teilte Innenminister John Reid mit.Unterdessen machte Russlands Außenminister Sergej Lawrow seinem Ärger über den Fall Litwinenko Luft.

HB MOSKAU. Zuvor hatte Russland erklärt, die notwendigen Visa seien erteilt worden. Reid sagte am Rande der Innenminister-Tagung der Europäischen Union (EU), die Ermittlungen würden fortgesetzt, und zwar unabhängig von diplomatischen oder anderen Erwägungen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte in Moskau, der Fall sei unverhältnismäßig aufgebauscht worden. Dies sei inakzeptabel und schade den russisch-britischen Beziehungen. Beide Regierungen seien aber der Ansicht, dass der Tod Litwinenkos nicht in die Politik gezogen werden sollte.

Der mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftete Litwinenko, ein vehementer Kritiker von Präsident Wladimir Putin, hatte von seinem Sterbebett aus die russische Regierung beschuldigt, sie habe seine Ermordung befohlen. Russland wies diesen Vorwurf zurück und bot den britischen Behörden eine enge Zusammenarbeit bei den Ermittlungen an.

Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, britische Polizisten würden in Moskau mehrere russische Bürger befragen, die sich am 1. November in London aufgehalten hätten - dem ersten Tag von Litwinenkos Erkrankung. Litwinenko traf sich an diesem Tag mit anderen Russen im Londoner Millennium Hotel. Einer von ihnen, Andrej Lugowoi - wie Litwinenko früher beim Geheimdienst KGB - erklärte, dass er sich zusammen mit dem Geschäftsmann Dimitri Kowtun mit Litwinenko an dem Tag getroffen habe. Sie hätten über Geschäfte gesprochen. Er habe jedoch nichts mit dem Tod Litwinenkos zu tun.

Vertraute Litwinenkos forderten die britischen Ermittler auf, in Russland auch den früheren Geheimdienstoffizier Michail Trepaschkin zu befragen. Der wegen Geheimnisverrats inhaftierte Trepaschkin hatte in einem Brief am vergangenen Freitag behauptet, der russische Geheimdienst FSB habe eine spezielle Agentengruppe gebildet, um Litwinenko und andere Kritiker der Regierung Putins zu töten. Trepaschkin habe substanzielle Informationen, sagte Litvinenkos Freund Alex Goldfarb der Nachrichtenagentur Reuters. Er sei krank, und es könnte für die britischen Ermittler die einzige Gelegenheit sein, ihn zu befragen.

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